"Batman Arkham Origins" - Der dunkle Ritter im Spiegel der Zeit. Ein Essay

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    • "Batman Arkham Origins" - Der dunkle Ritter im Spiegel der Zeit. Ein Essay

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      Vorab möchte ich warnen, dass dieses Essay massive Spoiler zum Ende des Spiels enthält. Wer das SPiel bereits durch hat oder sich durch Spoiler nicht davon abbringen lassen möchte den Text zu lesen viel Spaß damit.



      Langsam laufen die Credits von „Batman Arkham Origins“ vor mir ab und lassen mich doch ziemlich zufrieden und mit einem gewissen Gefühl der Erfüllung zurück. Als großes Ganzes gesehen erfüllt Arkham Origins nicht nur seinen Zweck als würdiger Nachfolger der beiden hochgelobten Vorgänger, sondern schafft es sogar den Geist des Batman Franchise als Ganzes einzufangen – und bietet sogar ein noch besseres Ende als das schockierende „Arkham City“ in dem Joker am Ende sogar das Zeitliche segnete! Aber alles von Vorne:

      In den ersten zehn Spielstunden hinterlässt Batman „Arkham Origins" einen eher faden Beigeschmack eines zwar guten, aber nicht herausragenden Nachfolgers des hochgelobten und in Hype ertränkten Batman-Franchise von Rocksteady. Zwar waren die Auftritte einer jungen Barbara Gordon ein nettes Fangeschenk, doch leider waren keine erhabenen Momente zu spüren. Die Gameplay-Mechanik war zwar genauso gut wie im Vorgänger, jedoch war die größte Stärke des Spiels somit zugleich seine größte Schwäche. Während sich im Gameplay von Arkham Asylum hin zu Arkham City noch einiges verändert und verbessert hatte herrscht nun im folgenden Teil Stagnation.
      Dies ist nachvollziehbar, befand sich Warner Brothers Montreal doch in der schwierigen Lage das Erbe von Rocksteady weiter führen zu müssen. Eine zu starke Änderung konnte Fans des Spiels verärgern, welche sowieso schon von Anfang an kritisch mit dem Wechsel des Studios umgegangen waren. Während in der vorherigen Teilen somit vor allem Batman das Spiel trug, war auch dies in Arkham Origins kaum möglich: Bruce Wayne ist noch lange nicht der gestandene und geformte Superheld, welchen die Spieler zuvor kannten.

      Der junge Bruce Wayne ist noch wesentlich von Allmachtsfantasien und einem Helfersyndrom geplagt, welches sich jedoch auch des Öfteren in überschwänglicher Brutalität äußert. So wirft Batman einen Schurken vom Dach mehrere Dutzend Meter in die Tiefe – zwar wird der Sturz von einem Tannenbaum ausgebremst, dennoch war es mehr Glück als Planung das dabei keine langfristigen Schäden entstanden. Auch lässt sich Wayne oftmals zu sehr von Wut, als von seinem Verstand leiten. Er sieht die Killer die auf ihn ausgesetzt sind als persönliche Fehde an und setzt alles daran sie aus eigener Kraft auszuschalten und schlägt sämtliche Hilfe aus.
      Daher trägt das Spielgefühl vor allem die Stadt Gotham, deren Stil und Architektur im Spiel stark an Tim Burtons Interpretation der Stadt in dem Film „Batman“ aus dem Jahr 1989 erinnert, welche ebenso am Weihnachtsabend spielte - auch im Film trifft Batman an Heiligabend zum ersten Mal auf den „Joker“.

      Diese Begegnung stellt im Spiel einen Wendepunkt da – während zuvor der Spieler die meiste Zeit über nur Brotkrumen untersuchen durfte um sich dem eher profillos dargestellten Schurken „Black Mask“ zu nähren so nimmt die Geschichte mit der Offenbarung des Jokers schnell an Fahrt auf.
      Batman muss erkennen, dass er es bisher trotz der starken Charakteristika seiner Feinde nur mit gewöhnlichen Kriminellen zu tun hatte und er jemanden wie dem Joker noch nicht gewachsen ist – er nicht einmal verhindern kann, dass vor seinen Augen eine Unschuldige getötet wird. Wenig später erscheint auch noch das muskelbepackte Genie Bane auf der Bildfläche, welcher Batman als seine persönliche Nemesis auserkoren hat.
      Die Rivalität zwischen Bane und dem Joker gibt dem Spiel noch eine weitere, düstere Ebene. Batman ist nicht nur der Schrecken der Verbrecher, sondern zentriert mit seiner bloßen Anwesenheit den Fokus zweier Schurken auf die Stadt Gotham City. Durch seine Art fordert er quasi zwanghaft das Böse an sich heraus.
      Während der Joker jedoch von ihm geschnappt werden und in eine Psychiatrische Einrichtung gebracht werden kann, in welcher man Eindrucksvoll dank einer genial eingebauten Passage nicht nur die Entstehungsgeschichte von Harley Quinn verfolgen, sondern auch noch in die Psyche des Wahnsinnigen hinab tauchen darf. Auch hier zitiert das Spiel wieder den Filmklassiker welcher ja ebenso unter Warner Bros. Entstand. Im Film wird der Verbrecher Jack Napier in eine Chemikalie gestoßen und dadurch zu dem Joker – auch im Spiel sieht man in schnell geschnittenen Rückblenden, etwas das man als Chemikalie deuten kann und wie er schließlich durch ein Abflussrohr in das Meer vor Gotham City gespült wird.
      Die hier angedeutete Sichtweise des Jokers deckt sich mit dem berühmten Comic „Arkham Asylum. A Serious House on Serious Earth“ von Grant Morrison und Dave McKean aus dem Jahr 1989. In diesem graphischen Roman lockt Joker ähnlich wie im ersten Serienableger Arkham Asylum den Batman in die Irrenanstalt um ihn zu „heilen“. Für Joker stellt sich Batman als Monstrum da, welches ebenso wie er und alle anderen im Arkham Asylum wahnsinnig ist.

      Währenddessen muss Batman feststellen, dass es Bane gelungen ist die wahre Identität des dunklen Rächers aufzudecken und dieser sich sogar bereits auf dem Weg zu Wayne Manor befindet. Batman kann Alfred nur noch Tod aus den Trümmern der Bathöhle bergen, diesen jedoch dank seinen Schockhandschuhen wieder zum Leben erwecken – wäre Warner Bros. Montreal aufgrund der zeitlich später spielenden Vorgänger verpflichtet gewesen Alfred am Leben zu halten, hätte dieser Part eine große Chance gehabt Batman noch tiefer in den Abgrund zu ziehen – das sich daraus ergebene Resultat wird zwar im Spiel kurz angedeutet, dann jedoch sofort wieder durch Alfreds Rettung verworfen – Hier hätte mehr drin sein können!
      Nichts desto trotz muss Batman nach dem traumatischen Erlebnis erkennen, dass er es nicht alleine mit dem Joker aufnehmen kann und beauftragt Alfred damit Gordon zu informieren, ehe er sich nach Blackgate begibt wo er Bane vermutet – doch dort trifft er auch erneut auf den Joker, welcher auf der Spitze seines Wahns Batman vor die Ultimative Entscheidung stellt:

      Nachdem der Clownkönig der Anarchie erkannt hat, dass Batman keinen Menschen töten kann stellt er ihn vor eine unlösbare Aufgabe: Entweder er tötet Bane und bringt dessen Herz zum Stillstand oder aber der Joker selbst stirbt auf dem elektrischen Stuhl. Hier wird dem Spieler noch einmal bewusst, dass Joker kein gewöhnlicher Krimineller ist. Er besitzt keinen Respekt vor dem Leben, nicht einmal vor dem eigenen und ist nur auf Zerstörung und Chaos aus. Er will den Batman in den Wahnsinn treiben und sich diesem somit annähern.

      Schließlich gelingt es Batman mithilfe eines Tricks Banes Herz zum Stillstand zu bringen und diesen wiederzubeleben, nachdem Joker den Stuhl verlassen hat. Nach einem kurzen Kampf, in welchem Banes Gedächtnis gestört wird und er sein bekanntes, monströses Äußeres erhält begibt sich Batman auf die Suche nach dem Joker.
      Dieser steht am Altar einer Kirche und symbolisiert somit die Verbundenheit zwischen Batman und ihm – er hat alles nur für ihn getan um ihm zu zeigen, dass sie füreinander bestimmt sind. Somit schenkt er Batman eine verzerrte und verdrehte Liebesbekundung ehe er ihn auffordert es zu Ende zu bringen. Der Joker will sterben um damit letztlich die Erfüllung seiner Sicht zu erhalten. Doch Batman hält sich an seine eine, eiserne Regel – und eröffnet mit Jokers Einweisung in das Arkham Asylum das bekannte Franchise.

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