Transhumanismus - Utopie oder Dsytopie?

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  • Transhumanismus - Utopie oder Dsytopie?

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    So, im Rahmen meiner wieder entdeckten Liebe zur düsteren Dystopie des "Deus Ex" Universums dank des "Deus Ex Human Revolution - Directors Cut" habe ich mal einen alten Bericht über Transhumanismus ausgegraben, welchen ich mal für die Online-Tageszeitung bei der ich gearbeitet geschrieben habe, welcher aber aufgrund eines anderen Artikels hinten über fiel. Dennoch möchte ich euch den Text nicht vorenthalten - außerdem würde ich hier gerne eine Diskussion über Transhumanismus, Ethische Regeln dessen und der Verbesserung des Menschen/ der Zukunft allgemein lostreten. So, schwerer Tubak aber ihr könnt mir glauben - ich habe mit einigen der Leute persönlich geredet oder zumindest deren Fachliteratur durchgelesen. Das ist irgendwie... sagen wir, interessant.

    Cyborgs kennt jeder aus Filmen, Büchern oder Spielen wie “Deus Ex”. Die verbesserten Menschen, denen technische Hilfsmittel übernatürliche Fähigkeiten verleihen sind aus der Science-Fiction gar nicht mehr wegzudenken, egal ob bei Star Trek oder Terminator. Dabei sind Cyborgs nicht mehr weit von der Realität entfernt. Längst entwickeln Forscher immer bessere Implantate, erweiterungen und Hilfen für den menschlichen Körper. Eine Bewegung hat sich aufgrund dieser Möglichkeiten gebildet: Der „Transhumanismus“. Dessen erklärtes Ziel ist die Verschmelzung von Mensch und Maschine. Welch gefährlicher Weg dabei beschritten wird – Yannic Hertel berichtet.

    JK-2060 ist ein Cyborg. Seine Arme und Beine hat er durch „biomechanische“ Gliedmaßen ersetzt, welche stärker und leistungsfähiger sind und ihn niemals ermüden lassen. Per Elektrochip ist JK-2060 direkt mit dem Internet verbunden und kann sich Informationen ins Hirn laden. Mit purer Gedankenkraft kann er auf der Arbeit tausende Roboterarme bewegen. Medikamente und Nanorobter reparieren seine Zellen und lassen ihn nicht altern. JK-2060 existiert nicht. Noch nicht. Wenn es allerdings nach der den Transhumanisten ginge, dann ist ein Mensch wie JK-2060 in 70 bis 80 Jahren vorstellbar. „Altern und Tod scheinen nicht mehr unausweichlich zu sein, zukünftige Generationen könnten die Chance auf ein "unnatürlich" verlängertes Leben haben. Im Labor ist es möglich die Lebenserwartung von Plattwürmern zu vervier- oder verfünffachen und das Höchstalter von Mäusen mehr als zu verdoppeln“, so Reinhard Heil, ein Transhumanismus-Experte. Der gebürtige Griesheimer studierte an der Darmstädter TU Philosophie, Soziologie und Germanistik.

    Bereits heute leben Menschen mit einem Herzschrittmacher. Brillenträger lassen sich die Augen lasern. Längst gibt es Prothesen, welche an das Nervensystem angeschlossen werden können und die es ihren Trägern ermöglichen mithilfe intensiven Trainings die Prothesen beinahe so zu benutzen wie echte Arme und Beine. Querschnittsgelähmten wurden schon Implantate ins Gehirn gesetzt, welche ihnen helfen mit purer Gedankenkraft einen Computer rudimentär zu steuern.Generäle lassen an Exoskeletten forschen, welche die Leistungsfähigkeit von Soldaten verbessern sollen, indem sie die Muskeln unterstützen. Für Kriegsveteranen werden Prothesen entwickelt, die ihnen den erneuten Einsatz im Feld ermöglichen.

    Dem US-amerikanischer Biochemiker Craig Venter gelang es 2010 die erste synthetische, also auf Computercodes basierende, Zelle zu erschaffen. Die Zelle ist auch in der Lage sich wie alle Zellen selbst zu replizieren. All dies klingt nach Science-Fiction, ist jedoch längst Wirklichkeit. „Das neue Menschenbild der sich in den ersten Jahrzenten des 20. Jahrhunderts zur Leitwissenschaft entwickelnden Biologie zeichnet sich durch das Überschreiten evolutionsbiologisch vorgegebener Rahmenbedingungen aus“, so Heiler.

    „Die Technik nährt sich selbst“, erklärt Ray Kurzweil. Kurzweil ist Google-Mitarbeiter, Autor, Erfinder und Transhumanist. „Die Technik hat sich in den letzten Jahren exponentiell gesteigert. Jedes Jahr verdoppelt sich die Leistung, die Computer erbringen können. Bald werden wir einen Punkt erreicht haben, an dem das menschliche Gehirn nicht mehr mitkommt. Wir werden eine Verbindung, eine Verschmelzung zwischen Gehirn und Computer herführen. Dies nennen wir ´Singularität`“

    Für Transhumanisten sind Menschen nur biologische Roboter. Sie wollen uns verbessern, unser Bewusstsein auf eine Festplatte speichern und so ewiges Leben zu ermöglichen. Transhumanisten würden sich gesunde Gliedmaßen entfernen, um verbesserte Implantate und Prothesen an deren Stelle zu setzen.

    Viele Kritiker des Transhumanismus sehen diese Gedanken als gefährlich an. Sie befürchten, es würde sich eine zwei Klassen Gesellschaft bilden. Auf der einen Seite jene, welche sich die Implantate leisten könnten und eine neue „Rasse“ Mensch bilden würden. Und auf der anderen Seite der normale Mensch, welcher mit den Cyborgs nicht mithalten kann. Die Mensch-Maschinen wären schlauer, stärker, schneller. Sie könnten länger Leben, wären weniger anfällig für Krankheiten und dem Homo sapiens in beinahe jeder Hinsicht überlegen. Diese Grundlage bietet Stoff für Sklaverei, Problematik bei den Menschenrechten. Vielleicht würde auch aufgrund von natürlicher Auslese die „normalen“ Menschen verschwinden. „Vielleicht können wir die technisch, wissenschaftlichen Entwicklungen kontrollieren und regulieren, aber es nützt nichts sich Ihnen entgegenzustellen“, so Heiler.Die Frage, die sich die Menschen stellen müssen wird nicht sein, ob all dies möglich ist – sondern, ob sie dies wollen.

    (Diesen Artikel findet ihr auch, wie all meine anderen Berichte auch auf meiner Homepage)
  • Ich sehe mich auch als Transhumanist, und ich sehe nichts inhärent "Falsches" daran. Jede Technologie kann für das "Gute" und das "Böse" eingesetzt werden.
    Ich denke, die nächste große technologische Revolution, nach dem Internet und dem Handy, werden diese künstlichen Gliedmaße sein. Ich bin überzeugt, dass die ersten, die gesunden Menschen Gliedmaße durch verbesserte künstliche ersetzen, das Militär und der Sport sein werden.
    Es gibt ja auch noch den RoboCup, wo unter Anderem Forschungsteams versuchen, bis 2050 Roboter zu bauen, die den amtierenden Fußballweltmeister schlagen können. Ich denke, sie werden das erreichen, aber äusserlich werden die Menschen nicht von den Robotern zu unterscheiden sein.

    Als Brillenträger träume ich ja von künstlichen Augen. Irgendwie mag ich die Sicht des Terminators. :D
    Man könnte dann die sichtbaren Wellenlängenbereiche vergrößern, oder per Nanoroboter alle möglichen Daten über den eigenen Körper zu sammeln und dann im Auge darstellen lassen. Oder ganz banal: interne Internetverbindung!
    Google Glass und Co. sind da nur der Anfang! Der große Nachteil ist dabei natürlich, dass es dann überhaupt keine Privatsphäre geben wird. Aber wie gesagt: Jede Technologie ist zweischneidig, und wir werden die früher erreichen, als die meisten Menschen denken.

    Das Ganze ist auch eng mit dem Konzept der "Technologischen Singularität" verwandt. Im Wesentlichen ist die erreicht, wenn wir es schaffen entweder eine uns ebenbürtige Künstliche Intelligenz zu erschaffen, oder es schaffen unsere eigene Intelligenz auf irgendeine Weise zu erhöhen. In dem Fall hätten wir verstanden, was Intelligenz ausmacht, könnten sie nachbauen und können sie dementsprechend verbessern. Und da das dann von einer immer höheren Intelligenz als Basis passiert, wird sie exponentiell besser, bis irgendwann physikalische Grenzen erreicht werden. Auf die gleiche Weise profitieren dann auch alle anderen Wissenschaften von der erhöhten Intelligenz.
    Anders ausgedrückt: irgendwann haben wir einen Punkt erreicht, wo wir uns die Welt von vor einer Woche nicht mehr vorstellen können. Ray Kurzweil schätzt den Zeitpunkt auf irgendwann Mitte der 2040er. Ich halte das durchaus für denkbar.
  • Die große Problematik dahinter ist doch: Für wen wird die Technik bezahlbar?
    Natürlich halte ich es für richtig, wenn wir Prothesen entwickeln, welche genauso gut sind wie unsere echten Gliedmaßen. Aber dann geht es weiter und man baut Gliedmaßen, die besser sind - wer kann sich das leisten? Natürlich nur jene, die Reich sind. Und was machen die Armen? Klar, man kann argumentieren, dass sich Reiche auch eine große Yacht leisten können, allerdings berechtigt es sie denn zu "übermenschen" zu werden?

    Und was die künstliche Intelligenz angeht - was ist, wenn sie anfängt zu fühlen? Was bedeutet das für uns, für unser Bild als Menschen? Und vor allem - was bedeutet das für die KI, die vielleicht die einzige ihrer Art ist? Was würde sie tun und vor allem - wieso sollte sich eine von Menschen geschaffene KI, die und in allem überlegen ist von uns Menschen unter Zwang stellen lassen? Was, wenn diese KI sich sozusagen (theoretisch) in Waffensysteme des Militärs einhacken könnte? Klar, das klingt nach totaler Science Fiction, aber - wo sollte man die Grenze ziehen?