Let's Learn - Forschen mit Let's Plays?

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    • Let's Learn - Forschen mit Let's Plays?

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      Hi,

      ich suche derzeit eine Methode, Let's Plays innerhalb der Forschung (qualitativ) zu interpretieren. Hab mich schon etwas in die Videointerpretation eingelesen, werde aber im Hinblick auf LPs, die ja doch etwas anders geartet sind von ihrer Entstehung her, nicht so recht schlaus daraus. Meine Frage ist nun, ob vielleicht schon jemand von euch Erfahrungen mit LPs im wissenschaftlichen Kontext gemacht hat und Zeit für ein kleines Brainstorming zu dem Thema hat? Hintergrund ist meine Masterarbeit, bei der ich gern spielinterne Entscheidungen von Gamern aufnehmen und auswerten möchte. Besten Dank schon mal im Voraus :)

      lg Hexie
    • Also erstmal finde ich es sehr befremdlich worüber man heutzutage so alles seine Masterarbeit schreiben kann. Aber das war bei Diplom- und Doktorarbeiten auch nie anders. Um zu beweisen, dass man wissenschaftlich Arbeiten kann ists ja irgendwie ok aber der Mehrwert aus sowas erschließt sich mir immer nicht. Gibts da nicht interessantere Themen? :rolleyes:

      Naja soll keine Anfeindung sein.

      Jedenfalls, warum muss es ein LP sein wenn du Entscheidungen von Spielern in Games auswerten willst? Bei einem LP hast du das Problem, dass der Spieler sich logischerweise beobachtet fühlt. Das heißt seine Aktionen sind mit hoher Wahrscheinlichkeit davon beeinflusst. Da musst du schon sagen, worauf du genau hinaus willst. In welchem Kontext willst du es haben, moralische Entscheidungen? Sozialverhalten in MMO's? :D (gibts sicher schon etliche Arbeiten drüber :thumbdown: )

      Ich brauche mehr Details, dann kann ich dir evtl. helfen wonach du Suchen musst, da ich mich schon recht lange in virtuellen Welten aufhalte. :S
      ୧༼ ͡◉ل͜ ͡◉༽୨ | AGAINST THE META | ୧༼ ͡◉ل͜ ͡◉༽୨

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Fools Quest ()

    • Ich finde dein Ansatz großartig!! Das nur vorweg da man so auch mal andere Leute zum Thema Lp's bringt

      Die wissenschaftliche Erfahrung ist bei mir Leider gleich Null, aber ich finde so ein Thema gehört unterstützt so gut es geht.
      Aber wie Fool Quest schon sagte ein paar mehr Informationen wäre schön, hier ein paar Beispiele aus die du vielleicht meinen könntest wo wir gerne mal drüber reden können.

      MOBA Games (Dota, LoL ) Warum entscheidet sich Player X für diese Aktion und wie Reagieren und verhalten sich seine Mitspieler.
      MMORPG's Entscheidungen für LvL Gebiete, Ausrüstung, Wahl der Gilde, Klassen Wahlt etc.
      Strategie Spiele, auch weider die Wahl von Aktionen zu verschiedenen Zeitpunkten

      Vielleicht meinst du ja sowas in die Richtung oder ich rede gerade Total an deinem Thema vorbei (dann tut es mir leid)
      Sollte doch etwas dabei sein kannst dich ja mal melden ich Helfe da gerne so gut es geh.
    • Fools Quest schrieb:

      Also erstmal finde ich es sehr befremdlich worüber man heutzutage so alles seine Masterarbeit schreiben kann. Aber das war bei Diplom- und Doktorarbeiten auch nie anders.
      --> in der aktuellen wissenschaftlichen Debatte finden gerade moralische Situationen in Games zunehmend Beachtung. Nicht erst seit dem "No Russian"- Level in CoD MW2 oder der Folter-Szene in GTA 5. Einige Spiele, gerade Rollenspiel-Klassiker wie Fable, Fallout 3 oder Neverwinter Nights haben eigene Moral-Mess-Systeme bzw. Alignments integriert, die dir anzeigen, ob du dich gut / böse (Fable), neutral (Fallout 3) oder irgendwo zwischen rechtschaffend und chaotisch entscheidest (Neverwinter Nights).

      Aktuellere Spiele, die Moral beinhalten, kommen mittlerweile ohne diese Messbarometer aus, sondern zielen mehr darauf ab, den Gamer durch das Gemplay bzw. die darin getroffenen Entscheidungen anzsprechen, aufzurütteln oder auch zu irritieren. Beispielhaft kann ich hier Spec Ops: The Line, Papers Plase, The Walking Dead aber auch Heavy Rain nennen, die den Gamer vor die Herausforderung stellen, i-wie mit dem Gameplay umzugehen und Entscheidungen zu treffen (so viel zur Grundlage)

      Ich will nun herausfinden, ob

      - Gamer_innen überhaupt moralische Situationen in Games als solche wahrnehmen (kann auch auch sein, dass einige das eher belustigend finden)
      - wie sie sich in Games für einen bestimmten Weg entscheiden
      - und wie sie zu dieser Entscheidungen gekommen sind bzw. wie sie das begründen (moral reasoning)

      Welches Spiel an sich ist mir (erstmal) egal. Die Debatte um MMORPGS ist derzeit etwas am Ablachen, MOBAS hingegen fände ich spannend, allerdings würde ich mich vorab erstmal auf reine Gameplay-Situationen beziehen und weniger auf PvP-Ereignisse (zu denen auch Trolling in MInecraft bzw. Singen-Lassen und Foltern in Day-Z gehören). Ich muss das Konzept noch mit meinen Betreuern abstimmen, dann wird es vielleicht um den User-Aspekt (also die gerade genannten Situationen im PvP-Modus) erweitert.

      Ich hoffe ich konnte die hauptsächlichen Fragen erstmal beantworten? Wenn nicht liefere ich gern noch mehr Infos, muss das Konzept aber eben noch fachlich festklopfen und abstimmen lassen
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      Gamer_Hexe schrieb:

      - Gamer_innen überhaupt moralische Situationen in Games als solche wahrnehmen (kann auch auch sein, dass einige das eher belustigend finden)
      - wie sie sich in Games für einen bestimmten Weg entscheiden
      - und wie sie zu dieser Entscheidungen gekommen sind bzw. wie sie das begründen (moral reasoning)


      Gamer_innen... xD Hat sich bei euch der Unterstrich durchgesetzt ja? Aber das ist nicht das Thema.

      Also wie du festgestellt hast, gibt es besonders bei Rollenspielen häufig ein Moralsystem. Es gibt auch uralte RPG's, in denen es keine Anzeige oder derartiges dafür gibt, es aber massiv den Verlauf des Spiels beeinflusst oder einzelne Entscheidungen sogar beendet. Dieses Genre ist also genau das richtige für dich. Je älter, desto komplexer die Entscheidungen und auch Zwickmühlen in die man gesteckt wird. Die jüngeren Games nehmen eher Abstand davon den Spieler zu arg zu fordern und sind mehr auf Unterhaltung ausgelegt.

      Das ganze hat nur aber einen Haken. Es ist ein Spiel. Wenn du dich auf eine volljährige Datenbasis beziehst ist davon auszugehen, dass sie sich dessen voll bewusst sind. Das bedeutet, es gibt auch Charaktäre die bewusst eine Rolle einnehmen. Inwiefern das wiederum die "wahre" moralische befindlichkeit widerspiegelt, ist dann wohl die große Psychologie. Ich habe zum Beispiel oft mehrere Entscheidungswege gespielt um zu sehen, wie sich die Geschichte entwickelt. Natürlich gab es einen Hauptstrang für den ich mich entschieden hätte, wenn es keine Möglichkeit gäbe das Spiel abzuspeichern oder neu zu spielen. Dieser musste sich in der Regel meinen moralischen Ansichten beugen. Jedenfalls sehe ich hier ein Problem, dass die Aussage der Entscheidungen in Games nicht zwingend eindeutig sind.

      Dann wieder die Frage nach der Datenbasis. LP's auszuwerten halte ich für nicht Aussagekrätig, da die Spieler ja bewusst beobchtet werden wollen. Je nach Persönlichkeit und Selbstdarstellungsbewusstsein beeinflusst das natürlich die Entscheidungen.

      Du müsstest also Mäuschen spielen, wenn jemand alleine und unbeoachtet ein komplexes RPG spielt um evtl. aussagekräftige Daten zu bekommen. Das wird schwer.

      Wie willst du denn diese Faktoren ausschließen oder wie begründest du, dass es trotzdem eine aussagekräftige Datenbasis darstellt wenn du LP's nimmst?

      Wenn du aber genau das haben willst, also das spielerische reagieren auf moralische Fragen, also ohne reale Konsequenzen zu fürchten, dann wären LP's wohl die einzige Möglichkeit an sowas ranzukommen ohne eine Riesenaufwand betrieben zu können mit mindestens 1000 Teilnehmern :P

      Dann viel Spaß beim gucken, da wirste aber ne Menge Zeit brauchen :D

      Ein Haken bleibt dennoch, im LP versuchen eben die meisten LPer besonders "Unterhaltsam" zu sein. Das heißt sie tun oft Dinge von denen sie denken, die Leute würden es gerne sehen auch wenn es nicht ihren persönlichen Präferenzen entspricht. Das wäre wiederum eine Geschichte für sich.

      Also wie genau kann man dir denn nun helfen?
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      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Fools Quest ()

    • Großteils muss ich Fools Quest allerdings recht geben wen er sagt das Lp'er_innen viele Entscheidungen machen um zu unterhalten.

      Allerdings (Ich bleibe mal beim beispiel Day Z) können Spiele bzw. andere Spieler das verhalten Extrem beeinflussen.

      (Achtung kleine Story)
      Wir haben in Day Z versucht erstmal freundlich zu sein (wir kannten das Prinzip aus anderen Games dieses Richtung) Heist also wir haben nie zuerst geschossen, der Gedanke dahinter war das wen wir so mit Leuten umgehen das diese dann vielleicht auch so weitermachen würden.
      Wir wurden eines besseren belehrt. Jeder aber wirklich jeder hat geschossen sobald er konnte, was dazu geführt hat das wir es nun auch so tun.

      Lange rede kurzer sinn, In wieweit ist es in Spielen überhaupt möglich (sobald andere Spieler daran beteiligt sind) Seine Moralischen werte durchzusetzen?

      Also das nur so als meine Meinung zu Spielen mit PvP Inhalten.

      Wen du mal bei einem MOBA Game zuschauen möchtest oder man dir Fragen dazu beantworten kann dan melde dich doch einfach
      auch bei anderen Spielen helfe ich gerne so gut ich kann
    • Gamer_Hexe schrieb:

      Gamer_innen

      Sagisa schrieb:

      Lp'er_innen

      Bitte, lasst den Quatsch... das sind beides Englische Begriffe und ihr Deutscht sie ein und vergewaltigt sie... unterlasst das bitte... schreibt einfach "Gamer" und "LPer", das sind nun mal beides Geschlechtsneutrale Englische Wörter.

      PS: Und ja, in LPs treffe ich andere Entscheidungen als würde ich Privat ohne Aufnahme spielen... Privat treffe ich eher die langweiligen Entscheidungen, im LP doch eher provokante oder übertriebene...
      ——YouTube————————————————————————————————————————————
      — Endlos-Projekte: Minecraft (SinglePlayer), Craft The World, Banished, Besiege, Sims4
      — ..Abgeschlossen: Leisure Suit Larry 6+7, Dishonored, Surface 2+3, Mirrors Edge, uvm
      — . Kurz- Projekte: The Tower, Fighting Is Magic, Euro Truck Simulator 2, uvm
      — ......Retro-Ecke: Day Of The Tentacle, Flight Of The Amazon Queen, NFS: HP2, uvm
      ————————————————————————————————————————————TbMzockt.de—
    • Hi,

      erstmal vielen lieben Dank für die tollen Beiträge und die rege Diskussion :) Ich werd mal versuchen, das alles ein wenig zu strukturieren und zu beantworten.

      Die jüngeren Games nehmen eher Abstand davon den Spieler zu arg zu fordern und sind mehr auf Unterhaltung ausgelegt.


      Jap, das stimmt bei sehr vielen, jedoch nicht bei allen. Mir geht es nicht nur um die 'messbaren' Moralsysteme in Rollenspielne, sondern auch um solche Spiele, die durch ihr gameplay moralisch konnotiert sind (wie z.B. Heavy Rain oder Spec Ops: The Line). Daher finde ich auch aktuellere Entwicklungen innerhalb der Analyse spannend, da die Moralsysteme häufig dazu verleiten, eine bestimmte Richtung einzuschlagen.

      Das ganze hat nur aber einen Haken. Es ist ein Spiel. Wenn du dich auf eine volljährige Datenbasis beziehst ist davon auszugehen, dass sie sich dessen voll bewusst sind. Das bedeutet, es gibt auch Charaktäre die bewusst eine Rolle einnehmen. Inwiefern das wiederum die "wahre" moralische befindlichkeit widerspiegelt, ist dann wohl die große Psychologie.


      Genau das ist der Punkt: Nehmen die Spieler_innen (<< und ja, hier darf ich den _ dann tatsächlich wieder verwenden ^^) diese Situationen wahr? Volljährigkeit heißt nicht zwangsläufig, dass sich die Leute auch entsprechend mit dem Inhalt auseinandersetzen. Bestes Beispiel: Gronkh und Sarazar spielen GTA 5...der Umgang mit der Folterszene war meiner Meinung nach wirklich nicht feierlich. Ich will herausfinden, ob und wie die Gamer die Situationen wahrnehmen und bewerten.

      Dann wieder die Frage nach der Datenbasis. LP's auszuwerten halte ich für nicht Aussagekrätig, da die Spieler ja bewusst beobchtet werden wollen. Je nach Persönlichkeit und Selbstdarstellungsbewusstsein beeinflusst das natürlich die Entscheidungen.


      Guter Punkt. Angedacht ist, dass ich nach der Auswertung der LPs noch Interviews mit den Gamern durchführe, um die im Spiel getroffenen Entscheidungen auszuwerden. Der Selbstdarstellungszweck ist mir natürlich bewusst, trotzdem nochmal danke für den Hinweis. Wegen der Datenbasis: ich will keine repräsentative Untersuchung, in der 'alle' LPler befragt werden sondern auf qualitativer Basis Erkenntnisse über das Wie und Warum rausfinden.

      Ein Haken bleibt dennoch, im LP versuchen eben die meisten LPer besonders "Unterhaltsam" zu sein. Das heißt sie tun oft Dinge von denen sie denken, die Leute würden es gerne sehen auch wenn es nicht ihren persönlichen Präferenzen entspricht. Das wäre wiederum eine Geschichte für sich.


      Auch der Punkt ist gut. Daher stell ich ja die Fragen hier ins Forum,um schon mal Anreize zu kriegen, worauf ich beim Forschen so achten müsste :) Die LPs die ich analysieren will, werden im besten Fall "LPs on Demand" werden, d.h. ich vereinbare mit den Leuten, dass sie in einem bestimmten Spiel eine bestimmte Szene LPn sollen und wir darüber dann das Interview führen. Details muss ich wie gesagt noch mit den Dozierenden abklären, ich stehe ja noch am Anfang.


      Lange rede kurzer sinn, In wieweit ist es in Spielen überhaupt möglich (sobald andere Spieler daran beteiligt sind) Seine Moralischen werte durchzusetzen?


      Das ist die Frage. Meine Theorie ist, dass moralische Entscheidungen in Gruppen entweder ausgehandelt werden (müssen) oder sich eine dominante Meinung Einzelner durchsetzt. Wie gesagt, genau deswegen will ich da ja explorativ rangehen und erstmal vorfühlen, was es alles so gibt :)

      Trotzdem nochmal vielen vielen Dank für die tollen Beiträge!!
    • Schon etwas beängstigend, dass unsere angehenden Geisteswissenschaftler Gronkh und Sarazar gucken. :D Soweit ich das beurteilen kann machen die Unterhaltungsvideos für Kinder also 10-14 jährige. Dass sie dann entsprechend auf solche Szenen reagieren a la:

      "Ich laufe über die grüne Wiese und piekse mal in alles rein was sich bewegt. Wenns nicht reagiert pieks ich noch 10 mal, wenn Blut rausspritzt mach UUÄÄääh und mach beim nächsten weiter. Vielleicht pieks ich aber vorher nochmal ins BLut rein."

      Also es spielt nicht nur eine Rolle wie der LPer sich darstellen will, sondern auch was seine Zielgruppe ist. Wenn er denn eine hat. Ist vielleicht auch dasselbe.

      Es ist also wirklich angebracht, wenn du dein eigenes Material bekommst wie du ja vor hast. Kleiner Tipp: Mach z.B. nen Kanal auf YT auf und lad da "deine" LP's hoch samt den Interviews. Das wäre eine Motivation für die LPer daran Teilzunehmen. Quasi als deine eigene kleine Doku. :D

      In Gruppen, ich nehme mal an du meinst PvP, hängt das Verhalten von Reife und Spiel ab. Jüngere oder Spieler die noch nicht so viel Erfahrung haben wollen meist einfach nur möglichst chaotisch sein und rumalbern. Also die spielerische Freiheit austesten. Moral spielt hier insofern eine Rolle, dass z.B. spielerisch aus Spaß die eigenen Freunde bzw. Gruppenmitglieder hintergangen werden.

      Erfahrenere Spieler suchen eher die Ordnung, also strukturiertes PvP in organisierten Teams in denen auch Hierarchien herrschen und voll akzeptiert werden. Hier geht um das klassische Kräftemessen ähnlich wie im Sport. Moral spielt hier insofern eine Rolle, wie "sportlich" das Verhalten ist. Werden die Gegner verspottet, Ragequittet man ein Game usw.

      Das wären so meine Gedanken dazu.
      ୧༼ ͡◉ل͜ ͡◉༽୨ | AGAINST THE META | ୧༼ ͡◉ل͜ ͡◉༽୨

    • Hi Hexie,

      ich freue mich über diesen Thread (auch, wenn ich nicht alle Beiträge gelesen habe) - ich habe auch bereits darüber nachgedacht, eine Abschlussarbeit irgendwie in und aus dem Bereich heraus zu schreiben. Alle Überlegungen sind jedoch gescheitert daran, dass das Let's Playen eine hochgradig artifizielle Gaming-Situation ist und Du Dir schwerwiegende Störvariablen ins Boot holst, wenn Du "authentische" moralische Handlungen untersuchen möchtest. Mir erscheint es methodisch deshalb (zunächst) nur sinnvoll, eben diese Störvariablen zu analysieren oder das Design Deiner Untersuchung so zu wählen, dass es keinen LP-spezifischen Kontext gibt. Oder Du gehst direkt auf "spielinterne Entscheidungen von Let's Playern", anstatt von "Gamern".

      An Deiner Arbeitshypothese wie das Problem besonders deutlich: "[...] dass moralische Entscheidungen in Gruppen entweder ausgehandelt werden (müssen) oder sich eine dominante Meinung Einzelner durchsetzt." - Kannst Du zum Beispiel ausschließen, dass die Anwesenheit eines Let's Players keinen Bias in Richtung der Durchsetzung eines dominanten Einzelnen verursacht? Und ganz unabhängig davon: Wodurch könnte Deine These überhaupt widerlegt werden?
    • Hi letheia,

      Alle Überlegungen sind jedoch gescheitert daran, dass das Let's Playen eine hochgradig artifizielle Gaming-Situation ist und Du Dir schwerwiegende Störvariablen ins Boot holst, wenn Du "authentische" moralische Handlungen untersuchen möchtest.


      das Problem an der Sache ist derzeit, dass im Moment noch keine vernünftigen Instrumente zur Analyse von Let's Play bzw. generell User Generated Content vorliegen. Bisherige Methoden zur Filmanalyse greifen meiner Meinung nach hier zu kurz, um die besonderen Umstände einer LP-Situation, wie du sie ja gerade auch schon nennst, entsprechend fassbar zu machen. Innerhalb dieser Aufnahemsituation dann noch Analysen durchzuführen ist nochmal eine größere Herausforderung mit diversen Faktoren, die das Ergebnis beeinträchtigen. Das muss ich dann vorher in der Designbeschreibung mit angeben. Ob es sich bei den moralischen Entscheidungen dann um "authentische" handelt, wird sich dann zeigen. In einer Studie, die ich gefunden habe, geben Gamer z.B. an, dass sie bei Rollenspielen beispielsweise den ersten Durchlauf "gut" absolvieren, den zweiten dann böse bzw. neutral. Durch die nachfolgenden Interviews hoffe ich, da dann auf die Prozesse moralischen Entscheidens zu kommen, die im LP nicht raus kommen.

      Kannst Du zum Beispiel ausschließen, dass die Anwesenheit eines Let's Players keinen Bias in Richtung der Durchsetzung eines dominanten Einzelnen verursacht? Und ganz unabhängig davon: Wodurch könnte Deine These überhaupt widerlegt werden?


      Guter Punkt, ausschließen kann ich es natürlich nicht, außer ich führe Quasi-Experimente mit Kontrollgruppen durch (und aus meiner bisherigen Forschungspraxis weiß ich: NO WAY!). Ziel der Arbeit ist es nicht irgendwelche Thesen zu widerleben sondern erst einmal eine vernünftige Ausgangslage zu schaffen, um überhaupt welche zu kriegen. Ich bin kein Fan von Quanti-Forschung und stupider Datenauszählerei, mich interessieren die Hintergrunde und Meinungen der Gamer und deren persönlicher Standpunkt. Inwieweit ich den durch meinen Methodenmix aus LP und Interview überhaupt erfassen kann, steht noch zur Klärung. Ich bin, wie gesagt, noch am Anfang und auf der Suche, daher wäge ich grad jedes Für und Wider ab. Solche Diskussionsbeiträge sind für mich daher wirklich unglaublich hilfreich!! Danke :)
    • Ich habe mehrre spiele die sich um Wissenschaftliche Themen drehen. Allerdings habe ich bis jetzt nur Genius Biologie gespielet, da geht es um die Renaturierung von Flächen in form eines Aufbauspiels.
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    • Hallo ihr Lieben,

      sorry für die Verzögerung mit Infos, musste noch etwas mit dem Betreuer klären. Hatten eine spannende Diskussion darüber, in wie weit Let's plays als Forschungsgrundlage genutzt werden können (witzigerweise hat darüber noch niemand geforscht, entsprechend gibt's noch keine Analysemethode -_-). Problem: Let's Plays sind ja keine reinen Filme, sondern mehr Aufnahmen vom Gameplay, also quasi eine Mischform aus Games und Film. Auch haben wir drüber geredet, welche Art von Let's play ich aufnehmen lassen will (also eins für Publikum oder zur Forschungsfrage oder rein dokumentarisch....).

      Wir haben uns auch über mögliche Games zum Analysieren unterhalten; hier wurden ja schon einige genannt (Heavy Rain, z.B. oder The Walking Dead). Schwierig wurde es dann bei den PvP-Spielen, ob und wie die in die Arbeit mit eingebunden werden können. Hier werd ich wohl trennen müssen. Ich warte jetzt noch auf das Feedback meiner Betreuer und halt euch dann auf dem Laufenden :)

      Hätte den prinzpiell jemand Lust, als Test-Spieler für mich tätig zu sein? Würde gern testen, ob meine Methoden, die ich mir da ausgedacht hab, denn so hinhauen. Freiwillige? :)
    • Servus Hexe.
      Ich beziehe mich jetzt auf die anfangs ausgelistete Fragen und versuche sie, anhand meiner Erfahrung zu beantworten.
      Eigene Meinung ergo kein Beweis, welcher über allem steht.

      - Gamer_innen überhaupt moralische Situationen in Games als solche wahrnehmen (kann auch auch sein, dass einige das eher belustigend finden):

      Das ist recht schwierig, da die Individualität, die ja nunmal jeder Mensch mit sich bringt (oder zumindestens bringen sollte) da immer eine große Rolle spielt. Ich denke schon, dass der allgemeine Teil der Spielerschaft solche moralischen Situationen sehrwohl erkennen und auch bewerten kann. Natürlich gibt es auch eher unterqualifizierte Menschen wenn es um solche Fragen geht. Auch ist "Gamer" in diesem Kontext ein zu schwammiger Ausdruck. Das Alter kann bei sowas ebenfalls eine gewisse Rolle spielen. Auch haben ältere Menschen im Normalfall mehr Erfahrung mit moralischen Entscheidungen gehabt und handhaben sowas wohlmöglich anders.

      Auch gilt es zu beachten, dass eine moralische Entscheidung in einem Spiel aus Erfahrung, aus persönlicher Ethik aber auch einfach aus einer Laune heraus entstehen kann. Jeder Spieldurchgang kann anders gehandhabt werden. Sei es aufgrunddessen, dass man dem Inhalt des Spiels entgegenkommt oder entgegenwirkt oder aus Neugier die Auswirkungen von anderen Entscheidungen erfahren mag. Du musst spezifischer angeben, ob es sich um die erste Erfahrung handelt oder um die generelle Handhabung des Spiels.

      Auch kann man dies nicht auf einzelne Spiele bzw Genres abwälzen. Als Beispiel nehme ich mal das Strategiegenre. Manche werden sich reinversetzen, analysieren und gut überlegen, wie sie aus minimalem Resourcenaufwand maximalen Gewinn kriegen können. Sie wägen die Situation so ab, als ob sie selbst Teil des Geschehens wären. Dann gibt es Gamer, die einfach drauf losspielen und auf die Auswirkungen gespannt sind. Sie agieren eher als Zuschauer, welcher durch einen Film unterhalten werden will.

      Dies waren jetzt nur ein paar Grundlagen, Perspektiven, Kriterien etc., welche es zu beachten gilt. Du müsstest, wenn du wirklich den Großtel dieses Thema abdecken willst, deine Kriteriebn noch wesentlich strickter konkretisieren und den Rhamen der Bedingungen verschärfen.

      Natürlich magst du es noch im Hinblick auf Lets Plays wissen. Und auch hier gibt es keine genaue Antwort. Manche werden ihre Person präsentieren und so handeln, wie es es auch sonst tun würden. Andere wählen einzig das Dasein eines Unterhalters ohne persönliche Bindung zu seinen Zuschauern. Sie können moralische Entscheidungen entweder danach treffen, was sich Zuschauer wünschen, was die Zuschauer am ehesten interessieren könnte oder aber um sie zu überraschen. Es hängt zum großen Teil sehr davon ab, wie der jeweilige Lets Player seine Präsens auslebt und inwiefern er den Verlauf des Durchspielens auf seine persönlichen Epfinden und seine Zuschauer auslegt.

      Natürlich gibt es dazu noch das Maß der Neugier und der Unberechenbarkeit, wo der jeweilige Lets Player ebenfalls als Zuschauer das Spiel erlebt und radikale Entscheidungen fällt, ohne dabei irgendwelche persönlichen Gedanken mit einzubinden. In erster Linie werden damit der Spieler und die Zuschauer überrascht.

      Die Frage, ob sie sowas überhaupt wahrnehmen, finde ich da allerdings weniger problematisch und sogar ein wenig beleidigend. Es dürfte keinen Untershcied machen, ob es sich beim Spieler um einen "normalen" Gamer oder um einen Lets Player handelt. Der jeweilige Spieler sollte im Normalfall das Spiel als solches wahrnehmen können und demnach (sofern es nicht um Tiefenanalysen geht) moralische Fragen/Momente in Spielen ohne größere Probleme erkennen können. Es sei denn der Horizont des Spielers liegt zwichen 12 und Mittags.

      Man sieht, es ist nicht so einfach, eine Antwort zu finden.


      - wie sie sich in Games für einen bestimmten Weg entscheiden
      :

      Wie bereits angeschnitten, hängt dies von vielen Faktoren ab. Manche Faktoren kann man auch nicht auf eine "allgemeine" Basis festsetzen. Die Individualität wird immer eine größere Rolle spielen und somit keine auf alle anpassbare Antwort bringen. Die Persönlichkeit, das Verhalten zu den Zuschauern, die Art wie man sein Durchspielen präsentieren will, wie man sich selbst präsentieren will, was für ein Spiel es ist, auf welche Basis das Spiel aufbaut, wie das Spiel moralische Situationen vermittelt und und und. Es sind zuviele Faktoren, die da mitspielen.

      Ob es aufgrund einer Gruppenbewegung oder die Entscheidung des Einzelnen ist, kann man ebenso nicht pauschal auf jeden Lets Player und erst recht nicht auf jedes Lets Play anwenden. Manche Projekte entstehen ja nur aufgrund der Interaktion und der Miteinbindung von Zuschauern und deren Wünschen. Andere wollen mit ihrem Projekt ein eigenes Ziel verwirklichen (z.B. die Zuschauer mit einem gewissen Thema anprechen, ein Spiel aus einem gewissen Blickwinkel betrachten etc.). Wie gesagt, gibt es da keine Allzweckantwort.

      - und wie sie zu dieser Entscheidungen gekommen sind bzw. wie sie das begründen (moral reasoning):

      Eigentlich ist diese Frage fast dieselbe wie die vorherige. Die Beweggründe schneiden sich mit dem Moment der Entscheidung. Man kann höchstens nachhaltig erfragen, wie man zu der Entscheidung steht, wie man mit mehr Zeit oder unter anderen Umständen eher gehandelt hätte etc. Es wird dazu auch viele Parallelen zu einigen, von mir bereits genannten, Möglichkeiten geben da es fast in dieselbe Kerbe schlägt. Und um eher sinnlose Wiederholung zu vermeiden, lass ich diese (wenngleich eher kurze) Antwort zu dieser Frage erstmal so stehen.

      Wobei man natürlich ein paar "Sündenböcke" als mögliche Begründungen hinstellen könnte aber dies wäre einer Abschlussarbeit eher...naja, nennen wir es "im Weg".


      So, dies war meine eher kurzgehaltene Antwort. Ich hoffe, dieser kleine Vorgeschmack war sowohl nett zu lesen als auch hilfreich.
      Wenn du mehr dazu bereden magst, darfst du dich gerne per PN melden. Für Fragerunden bis zum get no stehe ich (bei diesem Thema) sehr gerne zur Verfügung.

      Best regards,
      Exorion
      Stupidity Is Inexcusable...
    • Shinigami schrieb:

      @Gamer_Hexe<br />
      Wenn du erkl&auml;ren k&ouml;nntest wie das ganze ablaufen soll, w&uuml;rde mir die Entscheidung leichterfallen.[/quote

      Mein Fehler, sorry. Ein Testspiel w&uuml;rde folgenderma&szlig;en ablaufen: die, die das machen wollen, suchen sich eine f&uuml;r sie moralisch relevante Situation aus egal was f&uuml;r einem Spiel aus (da zum Test w&uuml;rd ich das Genre noch nicht eingrenzen). Dann nehmen sie davon ein LP auf (wenn's geht nicht l&auml;nger als 15-20 Minuten). Ich w&uuml;rde vorher ein paar Instruktionen geben wollen, worauf sie achten m&uuml;ssten. Anschlie&szlig;end werde ich die Freiwilligen befragten, wie sie das Game Play fanden und die Methode dazu, ob sies schwierig fanden and so on. Da die Videos erst zu Testzwecken aufgenommen werden, m&ouml;chte ich die Testspieler auch bitten, das Video noch nicht zu veröffentlichen, sondern erstmal nicht zu listen. So kann ich auch sicher gehen, dass andere Spieler nicht beeinflusst werden.


      @Exorion: Erstmal vielen Dank f&uuml;r dein ausf&uuml;hrliches Feedback! In der Tat ist die Bewertung und Darstellung von Moral in Games nicht so leicht wie ich vielleicht noch am Anfang meiner Recherche dachte. Um die von dir genannten &quot;St&ouml;rquellen&quot; zumindest zu minimieren, werde ich nach den LPs die Interviews f&uuml;hren und gezielt auch auf die Videos mit eingehen. Ich schick dir demn&auml;chst mal ne PN, wie ich mir das Ganze so vorstelle, gerade mit den Interviews (sofern sich mein Betreuer nicht mal meldet...)

      lg und besten Dank :)
    • Ich würd eventuell mitmachen, aber dein Erklärungstext ist mal der Horror zu lesen :D

      Aber wenn wir doch wissen das eine Emotionale Scene in einem Spiel auf usn zu kommt dann reagieren wir ja nicht so wie wenn uns diese Situation unerwartet trifft, aber wenn du meinst das das klappt dann wird's wohl hinhauen ^^
      Retrospiele ohne Ende!

      Hier auf meinem Channel ;) : youtube.com/user/raymond1995lol