Arbeitstitel: Steppenwanderer

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    • Arbeitstitel: Steppenwanderer

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      Moin!
      Uff, ich war schon ewig nicht mehr hier.
      Ich schreibe zur Zeit an einem Fantasyroman und dachte mir hier finden sich doch bestimmt ein paar Haudegen, die gerne Fantasy lesen.
      Ich bin offen für alle Kritik und generelles Geflame! :D
      Here it goes:

      Berg kauerte im zerstörten Obergeschoss der Ruine einer einstmaligen Gaststätte und starrte aufmerksamen Auges nach Westen. Seit Stunden waren knochige Bäume und verdorrte Sträucher das Einzige, das sich in der staubtrockenen Sevillasteppe bewegt hatte. Der Höhepunkt seines Abends war eine streunende Hyäne gewesen. Der Aasfresser hatte mehrere Minuten an einem zur Unkenntlichkeit verwesten Kadaver genagt und war dann trottenden Schrittes Richtung Osten weitergezogen, heraus aus Bergs Blickfeld. Danach war wieder Stille eingekehrt, und mit ihr die Langeweile. Wenn er etwas an ihrem Beruf hasste, dann waren es diese verdammten Spähmissionen auf die Cyr immer so beharrte."Wir brauchen jeden Vorteil, den wir kriegen können, Berg", sagte der Assassine immer. Und das Schlimmste war, Berg wusste, dass Cyr Recht hatte. Sie lebten in einer unbarmherzigen Welt und alles was sie hatten waren Cyrs List und Schnelligkeit, sowie seine eigene Stärke und sein meisterlicher Umgang mit dem Schwert. Das alles änderte jedoch nichts daran, dass er es hasste stundenlang alleine an einem Platz zu sitzen und auf Cyrs Rückkehr zu warten. Manchmal hatte er das Gefühl, Cyr ließ sich extra viel Zeit, nur um ihm eine Lektion zu erteilen. Berg hasste diese Lektionen. Vielleicht sogar noch mehr als die ewige Warterei.

      Wie als wollte er ihm eine weitere Lektion für seine Gedanken lehren, tauchte die grau-braun gekleidete Gestalt Cyrs just in diesem Moment im Westen hinter einem Hügel auf. In gemächlichem Tempo schlenderte er auf Bergs Aufenthaltsort zu. In der linken Hand trug er etwas, das aus der Ferne aussah wie ein Jutesack. Cyr hatte seine Kapuze tief ins Gesicht gezogen und schien entspannter denn je. Das war etwas um das Berg ihn wirklich beneidete. Egal in welcher Situation, Cyr behielt immer einen kühlen Kopf. Er hatte Berg einmal erklärt, das käme von seiner Ausbildung bei den Nienchu-Mönchen. Die Mönche waren ein alter Orden von Attentätern, die einen lange vergessenen Gott anbeteten. Ihre Kampfkünste waren gefürchtet unter denen die sie kannten, doch sie lehrten nur sehr wenige Auserwählte. Cyr war schon als Kind zu ihnen gekommen und hatte 15 Jahre nur mit Training und Meditation verbracht.Berg hingegen war ein einfacher Söldner gewesen. Ein kühler Kopf und ein ruhiges Temperament hatte er nie gelernt bekommen. Doch er arbeitete an sich und seit er Cyr vor einigen Jahren während Aufständen in der östlich gelegenen Großstadt Wailhaim getroffen hatte, waren seine Fortschritte immer größer geworden. Er war schon immer ein großartiger Schwertkämpfer gewesen. Doch während der Jahre, die er mit Cyr verbracht hatte, war er unvergleichlich besser geworden. Sie meditierten in regelmäßigen Abständen, was ihm sehr half, seine Aggressionsprobleme unter Kontrolle zu bringen. Das hätte er vor seinem Kameraden natürlich nie zugegeben.

      Cyr war fast bei ihm angekommen und jetzt konnte Berg auch erkennen, dass er tatsächlich einen Jutesack bei sich trug. Neugierig stieg er die äußere, noch einigermaßen erhaltene, Treppe hinunter und wartete auf der ersten Stufe ungeduldig darauf zu erfahren was sich darin befand. Cyr hatte ein verschmitztes Grinsen auf seinem Gesicht als er schließlich vor ihm stehen blieb."Hast dir ja mal wieder reichlich Zeit gelassen, Cyr." sagte Berg stichelnd."Ach Berg. Du weißt: Geduld...", setzte Cyr zu Antwort an. "... ist eine Tugend. Jaja, und jetzt zeig mal was in dem Sack ist." unterbrach Berg ihn.Das Grinsen auf dem Gesicht des Assassinen wurde breiter als er den Beutel umdrehte. Mit einem unangenehm satten Geräusch klatschte der vernarbte Kopf eines dunkelhäutigen Mannes auf den Steppenboden. In seinen Augen war keine Furcht oder Überraschung zu sehen, was nur einmal mehr zeigte, wie unauffällig und schnell Cyr seine Arbeit verrichtete."Was hat der arme Mann dir denn getan, um so eine Behandlung zu verdienen?" fragte Berg ironisch, doch nun auch mit einem leichten Grinsen auf den Lippen."Er hat das Schlimmste aller Verbrechen begangen. Er stand mir im Weg." antwortete Cyr darauf. Sie lachten herzlich und wandten sich dann zum Haus. Sie stiegen die Treppe zurück nach oben und setzten sich auf die Bank, auf der Berg einige der letzten Stunden verbracht hatte.

      Cyr nahm sich ein Stück Käse und eine Scheibe Brot aus ihrem Proviantrucksack und lehnte sich zurück. Sie saßen einige Minuten still da, bis Berg sich nicht mehr halten konnte: "Nun sag schon! Was hast du erfahren, du Hund!" brach es aus ihm heraus."Nun gut. Ich bin beeindruckt von deiner Willensstärke. Ich hätte nicht gedacht, dass du drei Minuten durchhältst bis du fragst! Du weißt wir hatten gedacht das Lager der Räuber wäre etwa zwei Stunden Fußmarsch entfernt? Nun ja, wir haben uns geirrt. Ich bin fast 3 Stunden in Richtung Westen gewandert, und dachte schon ich hätte mich verlaufen. Doch dann sah ich plötzlich diesen netten Kollegen an einer kleinen Oase Wache halten. Er war gerade zu sehr damit beschäftigt über seinen 'verdammten Boss' zu fluchen, der in 'diesem Drecksloch' abgestellt hatte, um mich kommen zu hören. Habe ihm noch ein bisschen gelauscht und so herausgefunden, dass sich das Lager nur wenige Minuten von der Oase im Norden befand. Dann habe ich kurzen Prozess gemacht. Das Lager ist größer als erwartet. Ich habe 12 Mann gezählt. Dieser Auftrag könnte also durchaus noch anspruchsvoll werden." führte Cyr aus."Ist ja alles schön und gut, mein Freund." antwortete Berg. "Doch das erklärt nicht, warum du diesen Kerl mitbringst. Ich habe keine Gäste erwartet."Du weißt doch, unser Auftraggeber zahlt uns für jeden Kopf 40 Dukaten. Da dachte ich, ich nehme uns die Schlepparbeit ab und transportiere ihn gleich hier her." sagte Cyr."Zu gütig, du Samariter." stichelte Berg. "Aber ich würde jetzt gerne eine Runde schlafen, wenn du nichts dagegen hast.""Ja, leg dich nur hin. Ich bleibe noch ein bisschen wach und spähe die Gegend aus. Ich würde nur ungern überrascht werden, während wir schlafen."Da Berg wusste, dass es keinen Sinn machen würde Cyr zu widersprechen stand er auf, ging zu seiner Schlafmatte und legte sich hin. Nach wenigen Minuten war er eingeschlafen. In dieser Nacht träumte er von Hyänen die an dunkelhäutigen, vernarbten Gesichtern herum nagten. Verdammter Cyr...