Das schleichende Vergessen

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    • Das schleichende Vergessen

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      Guten Morgen!

      Heute morgen möchte ich mal ein etwas ernsteres Thema ansprechen, das vor allem unsere ältere Bevölkerung betrifft... Die Demenz.

      Vor ca. einem halben Jahr kamen meine Großmutter und meine Großtante ins Pflegeheim... beide leiden an Demenzsymptomen und konnten einfach nicht mehr allein leben. Meine Mutter hat sich um alles gekümmert und viele Dinge erzählt... Wie meine Oma z.B. Lebensmittel im Kühlschrank hat verderben lassen oder ihre Medikamente gegen Infektionen nicht ordentlich genommen hat und sich trotzdem gewundert hat, warum sie Schmerzen und Unwohlsein hat. Es war klar, dass das nicht mehr ging, also hat meine Mutter für sie einen Platz im Pflegeheim gesucht.

      Natürlich geht die Demenz auch im Pflegeheim weiter. So hatten wir gestern Besuch von ihr und sie hat viele verschiedene Geschichten erzählt, wie kompliziert es ist, mit Menschen, die an einer solchen Krankheit leiden, umzugehen. Ich bin noch recht froh über meine Oma, da sie zwar extrem vergesslich ist inzwischen, aber doch irgendwie das Ganze richtig gut gelaunt annimmt. Meine Großtante hingegen ist richtig bösartig geworden. Sie unterstellt immer wieder, ihr würden Sachen geklaut werden und hat sogar schon die Schwestern geschlagen.

      Meine Mutter hat gestern zu mir gesagt, wenn sie je so werde, soll ich sie bitte erschießen...

      Jetzt frage ich mich: Wie weit geht das mit der Demenz? Ab wann ist dieser Zustand als nicht mehr lebenswürdig anzusehen? Habt ihr selbst Verwandte, die daran leiden und habt ihr selbst vielleicht Angst, ebenfalls mal an Demenz zu erkranken?
    • Demenz habe ich schon einige Male aus nächster Nähe gesehen und muss sagen, dass es eine wirklich große Qual für alle Beteiligten ist (für die Betroffenen, aber auch die Angehörigen).
      Krass finde ich wenn deine Mutter dich irgendwann vergisst und nur für einen Pfleger/Pflegerin hält (das tat mir richtig in der Seele weh sowas mitanzusehen).
      Ich bin jetzt kein Experte für Demenz und kann dir keine richtige Antwort geben was die Lebens"qualität" angeht und wann diese aufhört, aber die Menschen die an Demenz erkrankt sind kriegen es ja am Anfang mit und leider wirklich darunter, dass sie ihre Verwandten ihre schönen Erinnerungen usw. vergessen.
      Ich habe wirklich Angst vor Demenz und will das nicht erleben... Unser Leben besteht aus Lernen, Erfahrungen machen und Erinnerungen. Wenn man dann alt werden sollte bleiben einem zum großen Teil nur noch Erinnerungen und wenn selbst diese nach und nach genommen werden...

      Ich kann mir gar nicht vorstellen wie ich damit umgehen würde.

      Freue mich über Besuch
    • Hatte auch bis vor paar Wochen ne Oma, die seit Jahren im Pflegeheim lebte, schwere Demenz, erkannte keinen und nach 3minuten hatte sie wieder jeden Namen und jedes Gesicht vergessen und hat erneut nachgefragt wer wer ist. Echt keine leichte Sache, für beide Parteien
      Starb wohl friedlich vor ca.4 Wochen. Ein gutes Ende wie ich finde, und sollte ich jemals soweit sein, das ich jeden Tag wie ein neues Leben erlebe, soll ich auch getötet werden - aber das halte ich dann später mal in nem geeigneten Dokument fest.
      Denn sowas ist für mich kein Leben, das ist einfach nur grausam - damit tut man keiner einzigen Seite was gutes.

      Angst davor habe ich nicht, denn wenn es soweit ist, weiß ich eh nicht mehr, das ich diese Zeilen hier jemals schrieb.

      Kenne auch ein paar Geschichten von Kollegen, wo die Eltern (sind ja alles schon alte Kollegen) immer wieder ausgebüchst sind, weil sie angeblich woanders wohnen, und nicht da wo ihr Zuhause ist - keine leichte Sache das alles, echt schlimm, aber was will man dagegen tun.
      Ich würde auch keine Hemmungen haben meine Eltern in ein Pflegeheim zu stecken, einfach, weil es das beste ist. Nicht das sie sich irgendwie verletzen, weglaufen oder sonstige Dinge tun, die sie nich unbedingt wollen.
      Aber gut, das muss man absehen, wenn es soweit ist - reden kann man viel, solange es noch nicht passiert ist
    • Meine Urgroßmutter litt an Demenz... das war am Ende ebenfalls eher eine Qual.

      Sie wurde bis zum Ende von meiner Großmutter gepflegt. Tatsächlich war es eigentlich viel mehr sie, die ihre Mutter einfach nicht loslassen konnte...
      Dabei hat es sie halt nervlich durchaus stark belastet quasi machtlos zuzusehen wie sie wirklich alles vergisst... außer Sachen aus der Kindheit.

      Das fand ich an diesen Geschichten von meiner Großmutter recht interessant muss ich zugeben... sie erinnerte sich bis zum Schluss an das Pommernlied, wo sie aufgewachsen ist, hielt ihre Tochter am Ende tatsächlich für die Freundin/Sitznachbarin aus der Grundschule die schon lange tot gewesen ist und diese Zeit hat sie nie vergessen können.
      Aber der ganze Rest... sie war mittlerweile schon fast blind und ohne Hörgerät war sie taub. Dann hat sie halt alles vergessen.

      Ich selbst habe meine Urgroßmutter nur ein paar Mal während dieser Zeit gesehen... es war trotzdem schon beängstigend wie schnell diese Krankheit fortschritt... und wie schnell das alles geht. Einmal wird man erkannt und zwei Wochen später weiß die Person überhaupt nicht mehr, wer man ist. Hat also nicht einmal mehr als Kind für sie existiert.

      Lebensunwürdig wurde es für mich aber in dem Fall schon ab dem Punkt, wo sie nichts mehr sehen, hören konnte und halt eigentlich nur noch still und teilnahmslos irgendwo in einer Ecke auf dem Stuhl/Sessel saß... eigentlich war sie spätestens damit schon lange fort, auch weil sie schon gefüttert werden musste, weil sie halt selbst das schon vergessen hatte, dass man etwas essen muss.
      Das war aus meiner Sicht halt kein Leben mehr und ist für mich tatsächlich der Punkt wo ich das Verweigern von Sterbehilfe echt in Frage stelle... denn sie selbst war eigentlich schon nur noch eine Hülle und wollte eigentlich gar nicht mehr. Aber die Angehörigen und das deutsche Gesetz will halt, dass jemand am Leben bleibt...


      Also ehrlich gesagt würde ich wohl auch eher wenig zögern jemand in ein Heim zu stecken... für mich wäre das wohl nicht nur eine Belastung vom Zeitmanagement her, sondern wohl auch eine seelische Belastung wirklich tagtäglich zusehen zu müssen, wie sich die eigenen Eltern von jemanden entfernen.
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      Dann gebe ich mal meinen Senf auch dazu ab.
      Ich darf leider nicht über einzelne Fälle sprechen da ich mal im Altersheim gearbeitet habe. Kann aber meine Erfahrung wiedergeben.
      Für mich ist Demenz der schleichende Tod. Aus dem einfachen Grunde da der Mensch der drunter leidet immer weniger weiß. Und das macht ja einen Menschen aus. Irgendwann ist es nicht mehr diese Person die man kennt weil diese Person nichts mehr weiß aus ihrer Vergangenheit. Klar würde ich meine Mutter im Altersheim/Pflegeheim weiter besuchen wenn sie drunter leiden würde und mich nicht mehr kennen würde. Aber wie gesagt sie wäre dann schon für mich seelisch gestorben. Ich kann ihr nur noch die Restzeit schöner machen. Ich wünsche wirklich keinem Menschen Demenz. Es ist der Horror pur Menschen dadrunter leiden zu sehen. Selbst die Pfleger sind damit überfordert weil man nie weiß wie der Mensch reagiert. Die Menschen die Demenz im Endstadium haben und jeden Tag neu erleben können von einem Tag auf den anderen aggressiv sein. Das alles habe ich live miterlebt. Das geht nicht nur ins körperliche sondern auch ans seelische. Und ich habe großen Respekt vor den Pflegern die das jahrelang durchhalten. Habe zum Glück nur 3 Monate da arbeiten müssen, kam aber teilweise mit völlig fertigen Nerven nach Hause.
      Kurz zusammen gefasst:
      Es sollte für die Menschen die drunter leiden die Option geben sich für den Freitod zu entscheiden. Sei es selber gesagt oder durch ein Dokument festgehalten was von einem Notar bestätigt wurde.
    • Ich habe zum Glück niemanden in meiner Familie der daran leidet, und auch kennen tue ich niemanden persönlich. Jedoch halte ich Demenz genau wie Alzheimer für eine der furchtbarsten Krankheiten die es gibt. Würde ich irgendwann damit diagnostiziert werden, würde ich höchstwahrscheinlich nicht mehr leben wollen. Ähnlich verhält es sich mit Blindheit, Taubheit oder einer Querschnittslähmung. Die letzten 3 Krankheiten sind zwar bei weitem nicht so schlimm wie die ersten, aber dennoch bin ich mir recht sicher dass ich dadurch meinen Lebenswillen verlieren würde.

    • Rayxin schrieb:

      Es sollte für die Menschen die drunter leiden die Option geben sich für den Freitod zu entscheiden. Sei es selber gesagt oder durch ein Dokument festgehalten was von einem Notar bestätigt wurde.

      Das Problem ist, das du das vorzeitig machen musst.
      Wenn du nichts mehr weißt, weißt du auch nicht mehr, das du nicht mehr Leben willst
      (kommt dann aber wohl auch auf die Schwere der Demenz an)
    • DarkHunterRPGx schrieb:

      Rayxin schrieb:

      Es sollte für die Menschen die drunter leiden die Option geben sich für den Freitod zu entscheiden. Sei es selber gesagt oder durch ein Dokument festgehalten was von einem Notar bestätigt wurde.

      Das Problem ist, das du das vorzeitig machen musst.
      Wenn du nichts mehr weißt, weißt du auch nicht mehr, das du nicht mehr Leben willst
      (kommt dann aber wohl auch auf die Schwere der Demenz an)



      Das stimmt das man dies vorher machen muss. Deswegen auch ein Notar der mit seiner Unterschrift begläubigt das es auch wirklich diese Person getan hat.
    • Ja der gute alte Altersschwachsinn ;)

      Ich kann mir auch nicht wirklich vorstellen, wie schlimm das ist, wenn man immer mehr vergisst (und vor allem am Anfang noch merkt, wie man abbaut).
      Wäre mir sicher sehr unangenehm - mal von der Traurigkeit abgesehen über die verlorenen Erinnerungen.

      Dabei muss ein Leben mit Demenz (egal welches Stadium) nicht unbedingt unwürdig sein oder nicht lebenswert (zum Thema Suizid).
      Ich hab ca 2 Jahre in nem Altenheim auf der Demenzstation gejobbt und in meinem jetzigen Beruf in der Betreuungsbehörde ne Menge mit betroffenen Personen zu tun und ich muss sagen - es gibt viele schlechte, aber auch einige gute Geschichten.

      In den Fällen, in denen die Betroffenen unglücklich sind stehen auch häufig stressige Angehörige dahinter, die mit ihrem völligen Unverständnis und unmöglichen Verhalten ein gutes Stück dazu beitragen, dass die Krankheit noch schlimmer empfunden wird.

      Kleine Anmerkung noch zur Demenz an sich: man vergisst nicht nach und nach absolut alles, sondern verfällt vielmehr gedanklich immer weiter in eine frühere Lebensphase zurück, an die man sich dafür aber umso besser erinnern kann.
      Das kann man gut beobachten, wenn die Omma ihren Ehemann plötzlich nur noch mit "Vati" anspricht oder der 90 jährige Opi ständig morgens aus dem Heim ausbüchsen will, weil er ja "zur Schule" muss :)

      Klar... witzig ist das nicht. Aber ich bin mir aus Erfahrung sicher, dass es auch zufriedene und glückliche Menschen mit Demenz gibt. Hängt halt auch viel vom Umfeld ab wie gesagt.
    • ich habe nur einmal mit einer "Dementen" Person Kontakt gehabt.

      Als Zivi, Krankenträger in einem großen Spital. Normalerweise habe ich meine Patienten die ich so von einer Station zur nächsten geschippert habe ziemlich gut "vertragen", aber diese eine Patientin bleibt mir bis heute in Erinnerung, im Gegensatz zu Ihr.

      Es war seltsam, als ich sie von der Ambulanz abgeholt habe, war ihr noch klar das ich derjenige bin der sie auf ihre Station bringt, auf dem Weg dorthin, sah sie plötzlich Ihren "Sohn" in mir, und hat mir lächelnd gesagt wie sehr sie sich freut das sie mich sieht, und ob wir jetzt in den Garten gehen weil ja die sonne scheint (war ein regnerischer Tag) ... phuuu ... als Zivi der ja keinerlei Psychologische Ausbildung bzw. Erfahrung hat, habe ich einfach weiter nett mit Ihr geredet und obwohl ich Ihr gesagt habe das ich nicht ihr Sohn bin, wollte sie mir das nicht glauben, also habe ich quasi "mitgespielt" und mich so nett und freundlich mit Ihr unterhalten wie ich konnte, und es war schön, weil sie tatsächlich in dem Moment glücklich war.

      Habe sehr lange an Sie denken müssen, und wenn ich ehrlich bin, hoffe ich inständig, das sie mich in dem Moment wo ich sie nicht in den Garten gebracht, sondern sie auf Ihre Station gebracht, habe nicht mehr wusste Wer ich bin, und vergessen hat, dass sie dachte ich wäre Ihr Sohn.
      War ein sehr einschneidendes Erlebnis und obwohl sie mir komplett "fremd" war und eigentlich "egal" sein konnte/sollte, tat sie mir unglaublich leid ... Obwohl ich persönlich glaube dass sie selber gar nicht so sehr wie ihre eigentlichen Verwandten darunter gelitten hat. Weiss nicht wie ich mich fühlen würde wenn ich Ihr tatsächlicher Sohn wäre und sie mich für jemand anderen halten würde, aber wenn sie dabei halbwegs glücklich und mit Ihrer "Realität" zufrieden scheint, denke ich das es auch für mich halbwegs "OK" wäre.

      lg.
    • Demenz ist doch super! Man lernt jeden Tag neue Freunde kennen!
      Ich hoffe ihr hasst mich jetzt nicht zu sehr für den Witz

      Aber jetzt mal ernsthaft. Meistens ist Demenz eher für die Verwandten problematisch.
      Die Person selbst bekommt davon später meistens nicht alzuviel mit. (Und das kommt von jemandem der von der Materie keine Ahnung hat, also Vorsicht!)
      Natürlich ist es aber eine echt traurige Angelegenheit und ich würde Niemandem wünschen jemals daran zu leiden.
      Egal ob selbst Demenz oder jemanden wichtigen in seinem Leben mit Demenz zu haben.
      Ich hoffe einfach mal, dass ich in Zukunft keinen Kontakt damit haben werde.
    • Meine Großmutter ist vor ein paar Monaten mit 100 verstorben. Sie hat bis 90 bzw ab dem Zeitpunkt des Todes meines Opas allein gelebt, kam aber dann in ein Heim.

      Bei ihr ging's körperlich lange gut, nur geistig hats ausgesetzt. Kurioserweise waren das Langzeitgedächtnis und alle kognitiven Fähigkeiten noch lange intakt. Erkannte uns nimma oder erst nach langem Zureden. Dann gabs aber öfter lichte Momente. Da hat sie fröhlich geplaudert und alte Geschichten erzählt.

      Als meine Mom sie einmal nach ihrem Alter gefragt hat erkundigte sie sich nach dem Datum und ihrem Geburtsdatum und hat das innerhalb von einer Minute augerechnet. Auch ließ sie sich ihren Tiroler Humor nicht nehmen.

      Beim 100er kam als wir ihr erklärt hatten dass sie Jubilarin is: So alt schau ich doch gar nicht aus!
    • Ich habe sowohl als Unbeteiligter (Zivi) als auch als Beteiligter (meine Oma) Demenz miterlebt und kann schonmal sagen:
      1) Das sind zwei unterschiedliche Dinge
      2) Es kommt (natürlich) immer auf das Ausmaß an.

      Als Zivi hatte ich diverse Kontakte zu Demenzleidenden, nicht unbedingt der Einrichtung wegen, sondern eher allgemein aufgrund hohen Alters.
      Hier hatte ich den "Vorteil" (als Unbeteiligter), dass ich den entsprechenden Menschen jew. nur für rel. kurze Zeit am Stück "ertragen" musste. Man kann hier - ein wenig Einfühlungsvermögen, Menschenkenntnis und auch Humor vorausgesetzt - durchaus einen guten und humanen Dienst tun. Wenn natürlich auch nur temporär. In 2 Minuten kann bereits alles ganz anders sein.
      Ob nun als "Sohn", völlig neue (aber nette) Person, oder gar als Engel angesehen zu werden (damals hatte ich lange blonde Haare + das obligatorische weiße Krankenhaus-Zeugs an, und die Person hatte SCHEISSE NOCHMAL bereits so ziemlich alles hinter sich, was man sich an den ach-so-tollen lebensverlängernden Maßnahmen nur vorstellen kann) ..

      Man geht darauf ein. Für den Moment. Man verschafft der Person, und sei es auch nur für diese kleine Zeitspanne, eine gewisse Freude :)
      Aber danach (und das ist immanent wichtig) geht man weiter. Man versucht, einen gewissen Abstand zu halten und nicht allzu viel davon "mit nach Hause zu nehmen".
      Es mag gut sein, dass es am nächsten Tag völlig anders abläuft. Oder aber, der Mensch ist mittlerweile verstorben. Vielleicht aber ist auch alles wieder genau so wie am vorigen Tag. Man weiß es nicht. Man handelt situativ.

      Das ist der (Ideal)fall, wenn man unbeteiligt ist. Etwas völlig (!) Anderes ist es jedoch, wenn man etwas Derartiges im Verwandten- / Freundeskreis erfährt.

      Hier ist man einerseits grundsätzlich enger mit der Person verbunden und weiß somit andererseits auch (und das ist VIEL schlimmer als als Unbeteiligter) um die gesunden Zeiten - man erfährt so mitunter eine tiefgreifende Persönlichkeitsveränderung der Betroffenen.
      Das klassische "Nicht-mehr-Erkennen" ist die eine Sache, aber noch krasser ist der stetige und teilweise sehr plötzliche Wechsel zwischen Klarheit und Abdriften ..

      Bei meiner Oma war es zuletzt eine Sache von Minuten: "Oh hallo, nett dass du mich besuchen kommst, aber du warst doch erst gestern hier?" - "Wer sind Sie denn, sind Sie der Neue? Und können sie mal die Frau da von der Regenrinne runterholen, die mag ich nicht, die bringt den Regen." - "Hallo, sag mal, du könntest ja ruhig öfter mal vorbei kommen, das letzte Mal ist ja schon Wochen her." - "WER SIND SIE, und was suchen Sie in meinem Zimmer??" - "Wollen wir jetzt mal einen schönen Kaffee trinken gehen, die eine junge Schwester hier ist echt nett, und du bist doch grad alleinstehend ..?"
      Wie gesagt, Wechsel im Minutentakt. NICHT. SCHÖN.

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      Letztendlich bin ich der Überzeugung, dass man demente Personen in Pflege geben sollte, wenn man selbst nicht mehr "Herr der Lage" ist.
      Sei es meinetwegen aus zeitlichen Gründen oder aber auch, weil diese sich (leider) unberechenbar verhalten.

      Es ist ein himmelweiter Unterschied, ob man sich als Angehöriger / Nahestehender um solche Personen kümmert oder als Außenstehender.
      Und ganz ehrlich .. mit einer außenstehenden betreuenden Person fahren - meiner Meinung und Erfahrung nach - in einem solchen Fall alle Beteiligten am besten.
      I´m selling these fine leather jackets.
    • Ich habe mal eine demente Frau wieder zurück ins Altersheim gebracht.
      Sie hatte mich gefragt, wo denn ihr Reisebus ist und dass sie zu Besuch bei ihren Enkeln ist.
      Ich bin mit rumgegangen um ihr zu helfen, aber habe nach ein paar Minuten dann auch erst gemerkt,
      dass da irgendwas nicht stimmt. Immer die gleichen Stories von den Enkeln, von irgendwelchen Blumen
      im Garten und von der Reisetruppe.
      Stellte sich dann heraus, dass das Altersheim ihr "Hotel" war, zu dem sie zurückwollte.
      War schon irgendwie erschreckend zu sehen
    • MrsLittletall schrieb:

      Jetzt frage ich mich: Wie weit geht das mit der Demenz? Ab wann ist dieser Zustand als nicht mehr lebenswürdig anzusehen? Habt ihr selbst Verwandte, die daran leiden und habt ihr selbst vielleicht Angst, ebenfalls mal an Demenz zu erkranken?


      Mit der Demenz wird es so weiter gehen, dass die Person immer weniger am normalen Leben teilnehmen kann und immer weniger Dinge selbst tut. Damit einher geht in der Regel eine Reduzierung der körperlichen Aktivität (dauerndes Sitzen, irgendwann liegen). Daraus können weitere Folgeprobleme entstehen die man so kennt. Es ist leider Fakt, dass ab einem gewissen Stadium noch ein Körper da ist, aber kein Geist. Was in dem betroffenen Hirn unsichtbar noch vor sich geht und was der Mensch bewusst noch mitbekommt ist leider unbekannt. Ich kann mir gut vorstellen, dass im Kopf eine Art Labyrinth herrscht. Man ist sich vielleicht seiner Umwelt bewusst, aber man findet keinen Ausgang mehr um die notwendigen Dinge zu tun. Für mich persönlich eine Vorstellung purer Folter.

      Ich persönlich bin der Meinung, das mein Leben nur noch dann Sinn macht solange ich in irgendeiner Art und Weise am Leben teilnehmen kann. Unter Teilnahme verstehe ich in diesem Fall eine gewisse soziale Interaktion. Eine körperliche Hülle die keinen funktionierenden Geist mehr besitzt möchte ich nicht sein UND das möchte ich auch meiner Familie nicht antun.
    • Da ich beruflich jeden Tag mit Demenzkranken zu tun habe, kann ich euch sagen, dass das definitiv nicht so schlimm ist, wie ihr euch das hier gerade alle vorstellt. Demenzkranke nehmen durchaus noch am Leben Teil und haben auch Spaß am Leben. Natürlich wenn man sehr weit in der Demenz fortgeschritten ist, dann ist man schlussendlich bettlägerig und verstirbt. Aber das ist etwas, was ganz oft eintritt, wenn man älter wird und sollte daher nicht nur auf die Demenz bezogen werden. Ich arbeite super gerne mit Demenzkranken zusammen und die Angehörigen hatten bisher auch keine Probleme damit, dass ihre Mutter oder ihr Vater Demenz hat. Sie haben sich mit der Situation arrangiert und kamen damit bestens klar.
      Natürlich will man so etwas nicht selbst bekommen.. aber was wollt ihr im Alter überhaupt haben? Jeder wünscht sich noch quicklebendig zu sein und dann einfach umzufallen, aber so leicht ist das nicht. Da ist es noch humaner eine Demenz zu bekommen, als an Krebs oder einer Lungenentzündung zu sterben.
    • Sehe ich anders, Frau JaZ. Meine Oma leidet seit Jahren an Demenz und das ist für alle Beteiligten keine schöne Sache. Ich persönlich würde es vorziehen, körperlich krank zu werden, weil ich dann immernoch die aktive Entscheidung treffen kann, mein Leben zu beenden, wenn es an der Zeit ist. Nur gelegentlich lichte Momente zu haben, in denen ich überhaupt mitbekomme, was mit mir passiert... das ist schrecklich und das würde ich weder mir noch meinen Angehörigen auf Dauer antun wollen. Ist natürlich von Fall zu Fall verschieden, ich glaube dir gerne, dass es viele gibt, die sich damit arrangieren können.
      Tolerare heißt "ertragen, erdulden, aushalten", das hat mit "toll finden" nichts zu tun.

      Aktuell: ARK - Survival Evolved