Witcher 3, ein maßlos überbewertetes Spiel?

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    • Witcher 3, ein maßlos überbewertetes Spiel?

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      Heyho liebes Forum , ich bin im Moment krank und sitze zuhause rum, das führte dazu, dass ich mir um die Zeit tot zu schlagen, mal wieder The Witcher 3 installiert und mir, ob des durch den Steam Sale guten Angebotes, noch schnell den Expansionpass dazu gekauft hab.
      Jetzt braucht es hier eine kleine Vorgescichte, zu mir und the Witcher 3. Ich persönlich hab mich auf das Spiel unglaublich gefreut und es mir dementsprechend 2015, einen Tag nach Release zugelegt.
      Ich hab in dem Spiel dann bei meinem ersten Anlauf, gute 40 Stunden verbracht, beim Spielen der Questlines auf Skellige habe ich dann aufgehört und mich anderem zugewendet.
      Zirca ein Jahr später habe ich dann nochmal angefangen zu Spielen, allerdings auch relativ kurz danach wieder aufgehört.
      Einer meiner besten Freunde hat sich das Spiel nun neulich zugelegt und es so sehr geliebt, dass er erstmal 2 Wochen in der Schule gefehlt hat.
      Von seinem Eifer angesteckt hab ich mich also wieder in das Spiel gestürzt und angefangen zu Spielen und kurz nach meiner Ankunft in Velen, wurde mir wieder klar warum bereits zwei Versuche, dieses Spiel zu beenden, gescheitert waren.
      Die Antwort ist Simpel, weil ich das Spiel in seiner Gesamtheit sehr durchschnittlich finde und mich einige Mechaniken regelrecht nerven, dass hat mir zu denken gegeben und ich bin, nachdem ich mir die schiere Begeisterung meine Freundes nochmal durch den Kopf gehen ließ, zu dem Schluss gekommen, dass The Witcher 3: Wildhunt, wahrscheinlich das überhypteste Spiel ist, das mir je untergekommen ist und ich werde versuchen hier meine Gründe dafür dazulegen, um eine nette Diskussion anzufachen.

      Fangen wir also am besten mit der Mainquest an:



      Die Mainquest von Witcher 3 finde ich keinesfalls Grauenhaft, die Dialoge sind nett geschrieben und es gibt einige interessante Charaktere, allerdings hab ich mit der Mainquest einige Probleme. Zuersteinmal, habe ich als Spieler absolout keine Motivation Cirilla finden zu wollen, denn ich habe absolout keine Bindung zu ihr. Klar das Spiel lässt mich mit ihr am Anfang ne Viertelstunde über einen Hof hüpfen, aber das baut absolout keine emotionale Bindung zu einem Charakter auf und ich weiß über Ciri absolout nichts, ausser dass sie als Kind ziemlich anstrengend gewesen sein muss, gleichzeitig ist Ciri aber auch kein geheimnisvoller Charakter, den man finden möchte, sie ist ein bloßes Mittel um die Story ins rollen bringen. Genau den selben Fehler machte Fallout 4, indem es versucht hat mich als Spieler an eine/n Frau/Mann und ein Kind zu binden, mit denen ich vielleicht 10 minuten verbracht habe und über die ich absolout nichts weiß.
      Fallout hingegen hat mich als Spieler allerdings wenigstens noch insofern motiviert, als dass ich wissen wollte, was mit dem Jungen jetzt eigentlich ist, wie er sich entwickelt und was er getrieben hat. Das ist bei Ciri nicht der Fall, da ich ja hin und wieder mal einen absolout überflüssigen Part mit ihr Spielen darf, den man getrost auch als Cutscene hätte einbringen können.
      Desweiteren benutzt Fallout 4 den verschwundenen Sohn tatsächlich nur als Anstoß, denn die Story entwickelt sich, nachdem ich meinen Sohn gefunden habe, in eine andere Richtung, The Witcher 3 hingegen, lässt mich tatsächlich 50 Stunden einem Mädchen hinterherlaufen.
      Das ist tatsächlich die Essenz der Story. 50 Stunden von "geh dahin um fest zu stellen, dass Ciri da nicht ist und woanders hingeschickt zu werden."
      Das nervt, das macht keinen Spaß, das ist unbefriedigend und beantwortet mir absolout keine Fragen, sondern wirft höchstens neue auf.

      Wel es sich sich so schön anschließt, mach ich mal mit den Sidequest weiter:


      Ich will nicht lügen, es gibt einige Sidequests, die wirklich interessante Geschichten erzählen und jede Sidquest hat eine kleinere oder größere Geschichte, trotzdem stelle ich nach einer gewissen Spiezeit immer wieder fest, dass mich die Sidequests nerven und das liegt vorallem an den Mechaniken, zu denen ich gleich auch nochmal umfangreicher komme.

      Denn im Grunde, sind vorallem die kleineren, aber auch ein geraumer Anteil der größeren Sidequests, von The Witcher 3, nichts weiter als aufgehübschte Fetchquests, um die man ein bisschen Dialog gebaut hat.

      Die Quests spielen sich zu 90% folgendermaßen:


      Quatsch mit irgendwem, der schickt dich im Fall der Fälle zu 1-2 anderen Personen, mit denen du quatschen sollst und wenn dich die erste Person nicht irgendwo hingeschickt hat, dann macht das eine von den anderen.
      Du latschst also irgendwo hin, wo du deine Hexersinne benutzen sollst um eine paar nervige Points of interest zu suchen und dabei zu zu schauen, wie Geralt zusammenhänge auch nach dem 5. Point of interest nicht peilt, während der Spieler schon nach dem zweiten weiß was Sache ist.
      Das ganze beschränkt sich gerade in größeren Arealen darauf, auf die Minimap zu glotzen und zu den roten Lupen zu laufen.
      Dann folgt meistens nochmal ein irrelevantes Gespräch, mit einer im Grunde für den Spielverlauf irrlevanten moralischen Entscheidung und dann folgt ein nerviger Bossfight, mit irgendeinem Vieh, dass man später im Spiel eh schonmal bekämpft hat, ohne nennenswerte Mechaniken.
      Dann noch eine irrelevante moralische Entscheidung und manchmal darfst du dann noch zum Questgeber zurücklatschen.


      Das ist die Essenz einer Fetchquest, die dich linear von einer Minimap Markierung zur nächsten jagt und vorallem ist das kein gutes Questdesign.

      Natürlich kann ein Spiel nur auf eine begrenzte Pallette an Mechaniken zurückgreifen, aber hier ein Vergleich, mit einem der, meiner Meinung nach, besten modernen Western RPG's: Fallout: New Vegas.

      Auch Fallout New Vegas gibt euch im gröbsten Sinne vor was ihr tun sollt, allerdings sind die Objectives immer unterschiedlich. Mal müsst ihr einen Berg erklimmen, um dort ein Supermutanten Radio abzuschalten, mal müsst ihr eine Karawanenführerin davon überzeugen, ihr Karawane zu verkaufen, um sie im Zuge einer anderen Questreihe an ein paar Skrupellose Waffenhändler auszuliefern, oder eben nicht.
      Die Quests greifen ineinander und das verfolgen einer Reihe von Sidequests, führt euch meistens zu mehreren anderen Questreihen, die sich im weitesten Sinne alle in die Mainquest einbinden.

      Zudem lässt euch das Spiel, zu jedem Zeitpunkt die freie Wahl, wie ihr die euch gestellten Aufgaben bewältigen wollt. Ihr könnt euch durchschleichen, die Technik eurer Gegner gegen sie selbst einsetzen oder einfach mit ihnen Reden.
      Selbst der Endgegner der Mainquest, lässt sich mit einem Speechlevel von 100 zum Aufgeben überreden. Witcher 3 hingegen, jagt euch linear von einem Punkt zum anderen und schreibt euch haargenau vor, was ihr tun sollt...und zwar das selbe, immer und immer wieder.

      Spätestens wenn ihr dann damit beschäftigt seid, mit einer Glocke eine Ziege durch einen Wald zu lotzen, sollte einem klar werden, dass Witcher 3 Quests nur aufeghübschte WoW Missionen sind.

      Und das bringt mich zu meinem nächsten Punkt...


      Den Spielmechaniken:



      Die Mechaniken des gesamten Spiels, sind meiner Meinung nach unglaublich verwässert. Das Kampfsystem ist ein simples Konsolen Hack and Slay System ohne jegliche Tiefe oder Taktik, die einzige Ausnahme bietet hier die Alchemie, die euch zahlreiche Vorteile verschaffen und interessante Kombinationsmöglichkeiten eröffnen kann, nicht umsonst sind Alchemie Builds im Endgame beinahe schon overpowert.
      Die Rollenspiel Mechaniken sind für mich wahrscheinlich das größte Mechanische Manko, denn eigentlich ist The Witcher 3 mehr ein Openworld Hack and Slay Spiel, mit RPG Mechaniken, als ein echtes RPG, denn ich habe eine sehr begrenzte Entscheidungsgewalt darüber, was für eine Chrakter ich spielen möchte.
      Zum einen bin ich von vorneherein der Hexer Geralt, was mich in eine Rolle presst, anstatt mir die Entscheidungsgewalt darüber zu geben wer ich sein möchte.
      Die Gespräche bieten mir eigentlich nur vorgelegte Pfade und die Entscheidungen begrenzen sich auf nett oder ein Arschloch sein.
      Hält es jemand wirklich für eine tiefe moralische Entscheidung, ob ich einem Werwolf erlaube die Schwester seiner Frau umzubringen oder nicht?
      Das ist keine Entscheidung bei der ich mir als Spieler den Kopf zerbreche, dass ist eine Entscheidung zwischen "den edlen Ritter spielen" und "die Welt brennen lassen"...
      So bauen sich die meisten moralischen Entscheidungen auf, selbst in der Hauptstory.

      Ziehen wir zum Vergleich nocheinmal Fallout New Vegas heran. In Fallout New Vegas, habe ich bei den meisten Quests diverse Optionen mich zu entscheiden. Ich kann mich für verschiedene Fraktionen, oder für meinen eigenen Vorteil entscheiden. Jede Entscheidung zieht andere Aktionen meinerseits und einen anderen Ausgang der Questreihe nach sich, dennoch ist keines der Ergebnisse Optimal.
      Es gibt in diesem Spiel keine Plumpen Entscheidungen zwischen Gut und Böse. Ich muss abwägen und mich für eine Möglichkeit entscheiden, die mir als das geringste Übel erscheint.
      Ein gutes Beispiel hierfür ist
      Spoiler anzeigen
      die Entscheidung für eine der Fraktionen, oder für mich selbst, in der Mainquest. Egal ob ich mich nun für Mr.House, die RNK oder die Legion entscheide. Ich verhelfe entweder einem Diktator, einem Militärregime oder einem Haufen wiederlicher Irrer zur Macht, über das Mojave-Ödland, oder ich entscheide mich für meinen eigenen Vorteil und Stürze unwillentlich alles ins Chaos.

      Der Fakt, dass The Witcher 3 eben diese Entscheidungen nicht verlangt, ist schade, immerhin gibt es im "Letzten Wunsch", der ersten Kurzgeschichtensammlung der Hexer Buchreihe, eine Geschichte mit dem Namen "Das Geringere Übel", die sich genau mit diesem Thema beschäftigt. Jene Kurzgeschichte, ist sogar die Geschichte, der der Hexer seinen Namen "Der Schlächter von Blaviken" zu verdanken hat...

      Desweiteren sind die Skillmechaniken im Grunde nicht zu beachten, denn ausserhalb der Auseinandersetzungen im Kampf, wirken sie sich kein bisschen auf das Gameplay aus. Ich spiele immer einen Haudrauf, ich kann mich lediglich entscheiden auf welche Art ich meine Gegner am liebsten platkloppen möchte und außerhalb der Kämpfe gibt es keine Verwendung für Fahigkeiten die man im Skilltree erwirbt.
      Ein weiteres mal, muss ich den überstrapazierten Vergleich zu Fallout New Vegas ziehen.
      In Fallout New Vegas, muss ich wirklich darüber nachdenken, wie ich meinen Charakter Aufbaue.
      Was skille ich? Schleichen, Sprache, Dietrich, Wissenschaft oder Sprengstoff? Welche Perks wähle ich, um diese Skills zu unterstützen.
      Ich eintscheide mich für einen spezifischen Spielstil, doch nicht nur das, meine Skills werden auch über die Reine Awendung dieser Hinaus relevant.
      In Gesprächen stehen mir einige Gesprächsoptionen nicht offen, wenn ich in die Thematik der Option nicht genug Skillpunkte investiert habe.
      Einige Charaktere mögen mich vielleicht sogar, nur weil ich versiert in Sprengstoff, Wissenschaft oder Technik bin.
      Was ich skille, hat tatsächlich eine Auswirkung auf den Verlauf des Spiels.
      In The Witcher 3 kann ich mich entscheiden, ob ich mehr Schaden mit meinen Schwertern machen und mehr einstecken können möchte, oder ob ich lieber an meinen Zeichen arbeite.



      Hinzu kommt das Loot System. Loot ist, in The Witcher 3, eigentlich vollkommen uninteressant, denn es wirkt sich nur minimal auf meine Spieltstil aus und unterstützt meinen Chrakter nur sehr begrenzt. Relevant sind um Grunde nur Schaden's und Rüstungswerte, denn es gibt in diesem Spiel keine grundverschiedenen Spielstile und somit auch kein Loot um diese zu unterstützen. Während ich in einem Diablo z.B stundenlang für Ausrüstungsteile arbeite, Stats vergleiche und mir das perfekte Rüstungsset für meinen Charakter zusammenklaube, interessiert mich bereits nach 3-4 Stunden in The Witcher 3 nicht mehr, was in der nächsten Kiste ist. Es ist nur wieder irgend ein Schwert, das genauso aussieht, wie das letzte und 10 Schadenspunkte mehr macht und wozu sollte ich irgendein Rüstungsset suchen, wenn es sich doch eh kaum vom letzten unterscheidet oder meine Erfahrung merklich verändert.
      Es fühlt sich nicht an, als würde ich eine Charakter spielen und aufbauen, es fühlt sich an als würde ich einen mir vorgegebenen Charakter ausbauen und diesem Folgen.


      Mein letzter Punkt wäre die Openworld:

      Die Openworld ist groß, die Openworld ist schön und ansprechend Designed, keine Frage, doch motiviert sie mich persönlich nicht sie zu erkunden.

      Ich finde nur selten übermäßig interessantes. Klar es gibt Fragezeichen auf der Map, aber die führen meistens zu einem Monsternest oder einem Schrein, bei dem ich ein paar Monster totkloppen soll, damit die Drofbewohner da wieder beten können, anonsten ist da hin und wieder mal ne Quest und ansonsten? Wald....Wald und im Fall von Skellige...Meer. Viel leere Fläche, durch die ich durchlatschen muss, da ich trotz der riesigen Map nur an bestimmten Punkten schnellreisen kann.

      In einem Skyrim interessiert mich, was um die nächste Ecke und im nächsten Dungeon ist.
      Denn vielleicht stehe ich aufeinmal in etwas so riesigem, wie den Schwarzfelstiefen, einer Map unter der Map, oder ich finde einen sprechenden Riesen.
      In The Witcher 3 wartet hinter dem nächsten Hügel, im besten Fall eine nicht besonders erinnerungwürdige Quest oder im schlimmsten Fall noch mehr Hügel.

      Zudem finde ich es teilweise unglaublich nervig, sich in der Map zu bewegen, denn Folge ich nicht 1 zu 1 der Linie auf meiner Minimap, dann stehe ich meistens vor einer unüberwindbaren Klippe und darf Backtracken.
      Das motiviert mich nicht zum erkunden, oder dazu meinen eigenen Weg zu finden. Es sagt mir ganz eindeutig:
      "Guck auf meine Minimap und tu was ich dir sage, sonst bestrafe ich dich dafür, dass du anders an dein Ziel gelangen wolltest, als ich es dir vorgebe!"




      So, respekt an jeden, der das bis hierhin durchgehalten hat.


      Ich möchte abschließend sagen, dass ich The Wichter 3, keinefalls für ein schlechtes Spiel halte. Es ist wahrscheinlich eines der besten Spiele, die wir in den letzten Jahren so serviert bekommen haben, aber es ist meiner Meinung nach unglaublich überbewertet.
      Es ist für mich, sicher nicht der Maßstab für moderne Rollenspiele, für Quest und Worlddesign oder für Writing.
      All das, haben teils deutlich ältere Spiele deutlich besser gemacht.
      The Witcher 3 ist gut, aber sicher kein Messisas.
      Playin two chords on Piano is kinda boring...u could probs get away with dat on Guitar tho...

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