Negative Eigenschaften eines Menschen

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  • Negative Eigenschaften eines Menschen

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    Ich sage gleich im Voraus, dass die Überschrift etwas unglücklich gewählt ist.
    Das hier soll nämlich keine Diskussion über die negativen Eigenschaften des Menschen sein.

    Vielmehr möchte ich von euch wissen, ob diese negativen Eigenschaften einem Menschen auch dann als solche anzurechnen sind, wenn er sie nie nach außen trägt.

    Ein fiktives Beispiel:
    Ich bin arrogant, sehe mich selbst als klüger als die meisten Menschen an.
    Nach Außen gebe ich mich allerdings bescheiden, prahle nie und niemand kann auch nur erahnen, dass ich mich für etwas besseres halte.
    Ich gebe mich so, weil ich Bescheidenheit an anderen Menschen schätze und weil ich weis, dass diese Eigenschaft auch von anderen geschätzt wird, wohingegen mich meine eigentliche Arroganz in der Gesellschaft anecken lassen würde.

    Ich verheimliche also bewusst eine maßgebliche Charaktereigenschaft, teilweise aus guten Absichten, teilweise bedacht auf meinen eigenen Vorteil.

    Nie in meinem gesamten Leben, werden andere Menschen bemerken, dass ich eigentlich durch und durch arrogant bin, weil ich bewusst nicht dementsprechend handle.

    Die Frage die ich zur Diskussion stelle ist also:
    Sind mir meine negativen* Charaktereigenschaften auch dann als solche anzurechnen, wenn ich sie nicht nach außen trage und meine Mitmenschen nie mit ihnen konfrontiert werden.

    Zum Zwecke der Diskussion nehmen wir an, dass du, also der Diskussionsteilnehmer, eine Art allwissende Gottfigur bist, die den Menschen "bewertet/einschätzt".
    Ich möchte also wissen, ob du einen Menschen als "schlecht" oder "böse" bewerten würdest, von dem du weist,
    dass er gerne etwas tun würde, das du als "schlecht" oder "böse" einschätzt, auch wenn du aber ebenso weist, dass er dies nie wirklich tun würde.

    * mit "negativen" sind jene Charaktereigenschaften gemeint, die heute allgemein als negativ betrachtet werden. Also bitte nicht mit einem Wertmodell nach Nietzsche o.ä. argumentieren. Auch soll hier bitte nicht die Wertigkeit von Charaktereigenschaften diskutiert werden.

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von SpielenWir ()

  • Hm, theoretisch sind negative Eigenschaften ja eigentlich genau das: negative Eigenschaften. Völlig egal, ob man sie nach außen trägt oder nicht. Da man selbst dann aber der einzige ist, der mit diesen Eigenschaften leben muss, kommt es auf das Gleiche raus als hätte man sie gar nicht erst.
    Frei nach dem Motto: Wenn ein Baum umfällt und keiner da ist um es zu hören, macht er dann trotzdem ein Geräusch?
  • Julien schrieb:

    Hm, theoretisch sind negative Eigenschaften ja eigentlich genau das: negative Eigenschaften. Völlig egal, ob man sie nach außen trägt oder nicht. Da man selbst dann aber der einzige ist, der mit diesen Eigenschaften leben muss, kommt es auf das Gleiche raus als hätte man sie gar nicht erst.
    Frei nach dem Motto: Wenn ein Baum umfällt und keiner da ist um es zu hören, macht er dann trotzdem ein Geräusch?

    Das Problem bei dem Motto ist, dass der Baum nachweislich trotzdem ein Geräusch macht. :^^:
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    Für mich stellt sich dann die Frage, ob du überhaupt tatsächlich diese negativen Eigeschaften hast.
    Ist ein Dieb ein Dieb, wenn er gerne etwas klauen würde, sich aber bewusst zurückhält?
    Du sagst es im Grunde ja selbst: Solange die Eigenschaften keine Auswirkungen auf andere menschen habe, werden anderen menschen auch nicht auf sie eingehen. Ob du selbst mit dir im Reinen bist, ist wieder eine andere Frage, aber ich denke, dass es mit deinen Mitmenschen zu keinem Problem kommen würde.
  • Das "anzurechnen" hört sich bei mir ein wenig komisch an, wieso sollte man das dir anrechnen? Alleine das verstehe ich nicht :)

    Naja egal, ich meine Negative Eigenschaften gehören zu jedem Menschen dazu, und das ist auch gut so. Ich für meinen Teil, kann meine Klappe einfach nicht halten und bekomme dementsprechend mehr Stress mit anderen Leuten als andere, und dabei ist es egal ob das alles unter Alkoholeinfluss passiert oder nicht.

    Wie gesagt gehören für mich negative Eigenschaften zum Leben dazu, dass du deine unter Kontrolle hast, finde ich bemerkenswert. Aber ich finde auch, dass das eine Verstellung deiner Persönlichkeit gegenüber anderen Leuten ist. Das würde ja dann auch bedeuten, dass dein Bester Freund dich nicht wirklich kennt, wenn du ihm solche Sachen vorbehälst. Ich rede viel und rede, dementsprechend lernt man meine 100%ige Persönlichkeit wohl sehr schnell kennen, ob diese auf andere nun Positiv oder Negativ wirkt, ist mir egal.

    Wenn ich deine Frage nochmal richtig verstehe, werde ich dazu nochmal meinen Senf geben, aber wie gesagt finde ich das eine verstellung der eigenen Persönlichkeit, ich hoffe ich hab mich richtig ausgedrückt was das betrifft :)

    Gruß
  • Ich habe befürchtet, dass das ganze so aufgefasst und abgetan wird...
    Ich habe das ganze etwas unglücklich formuliert.

    Vielleicht ein anderes, extremeres Beispiel:
    Ist jemand, der das Verlangen verspürt jemand anderen zu vergewaltigen, zu essen, zu ermorden, etc. pervers, auch wenn er diese Handlungen nie ausführen wird?

    Und die Frage ist, ob das wirklich niemanden interessiert. Angenommen du lebst jahrelang mit einem Menschen zusammen und erfährst plötzlich, dass der Mensch derartige Gelüste hat, weist aber auch, dass er diesen nie nachgeben würde. Wie würdest du reagieren?
  • Ja, jemand der solche Gelüste verspürt, hat durchaus negative Eigenschaften. Das ist ja Fakt. Wenn es nie nach außen gelangt, kann es aber dem Rest der Welt egal sein und wird ihm (außer von sich selbst) wohl nicht als negative Eigenschaft angerechnet werden (auch wenn das berechtigt wäre).
    Und wenn es doch mal nach außen kommt, dann wird es natürlich als negative Eigenschaft angerechnet, selbst wenn es nie passieren würde.
  • Deswegen hab ich gehofft das man mich nicht falsch versteht. Also meiner Meinung nach gibt es 2 Arten von Persönlichkeitsverstellungen. Einmal die, wo man seine Persönlichkeit wirklich versucht zu ändern, frei nach dem Motto: "Hip Hop ist zwar geil aber ab jetzt find ichs scheiße meine freunde hören alle Metal also hör ich das jetzt auch!" Und dann die, wo man seine Persönlichkeit nicht rauslässt, aber man trägt sie immer noch in sich. Mit einem ähnlichen Beispiel: "Hip Hop ist geil, meine freunde hören alle Metal, ich sag denen zwar nicht dass ich Hip Hop höre, höre es aber heimlich". Dementsprechend würde ich mich auch erschrecken, wenn die Person die ich jahrelang kenne, mit so etwas extremen (bezogen auf dein extremes beispiel) zu mir ankommen würde. Ich würde dann dennoch denken, dass ich ihn nicht wirklich kenne.

    Hoffe jetzt versteht ihr wie ich das meinte :)
  • Julien schrieb:

    Ja, jemand der solche Gelüste verspürt, hat durchaus negative Eigenschaften. Das ist ja Fakt. Wenn es nie nach außen gelangt, kann es aber dem Rest der Welt egal sein und wird ihm (außer von sich selbst) wohl nicht als negative Eigenschaft angerechnet werden (auch wenn das berechtigt wäre).
    Und wenn es doch mal nach außen kommt, dann wird es natürlich als negative Eigenschaft angerechnet, selbst wenn es nie passieren würde.

    Ich habe jetzt folgenden Satz in den Startpost hinzugefügt:

    SpielenWir schrieb:

    Zum Zwecke der Diskussion nehmen wir an, dass du, also der Diskussionsteilnehmer, eine Art allwissende Gottfigur bist, die den Menschen "bewertet/einschätzt".

    PlayMiToHD schrieb:

    Hoffe jetzt versteht ihr wie ich das meinte :)

    "Wir" verstehen schon was du meinst. ;)
    Du verstehst aber nicht was ich meine. Es geht nicht darum ob du es gut findest, wenn sich jemand verstellt.
    Im Grunde geht es mir darum, ob ein "schlechter" Mensch auch dann ein "schlechter" Mensch ist, wenn er sich so verstellt und so handelt, dass er von außen betrachtet als "guter" Mensch bezeichnet werden kann.

    Es tut mir Leid falls das noch immer nicht verständlich ist, aber viel einfacher kann ich es nicht mehr ausdrücken.
  • Was gut und was schlecht ist bleibt relativ und unterliegt einem sich ständig ändernden Zeitgeist. Schon allein daher ist diese Diskussion auf Sand gebaut.
    Nimmt man die Sache jetzt abstrakt ist ein mensch, der allgemein als "Negativ" anerkannte Eigenschaften verheimlicht und sich anders gibt ein Opportunist - darauf aus die für ihn negativen Konsequenzen zu verhindern.
    Und ob Opportunismus gut oder schlecht ist muss jeder für sich entscheiden. Ich finde eine gesunde Portion Egoismus und Opportunismus lebenswichtig.
  • Vorab glaube ich das dieses Thema wohl nicht unbedingt für das LPF geeignet ist, da du ja nach einer weitesgehend objektiven Meinung suchst. Ich persönlich muss sagen, dass mich der Hintergrund dieser Frage sehr interessiert, da mir dieses Thema nicht fremd ist.

    Was gut und was schlecht ist, ist immer abhängig von dem jeweiligem Standpunkt und damit meine ich nicht eines Ortes, sondern dem Standpunkt der persönlichen Einstellung, denn diese Einstellung ist die Grundlage für die Bewertung von allen Dingen. Und da es viele verschiedene Einstellungen und Ansichten gibt, gibt es demnach auch viele verschiedene Bewertungen und so kann das "gut" der einen Person ein "schlecht" für die andere Person bedeuten, wodurch also eine objektive Bewertung (schon komisch die beiden Worte direkt in Verbindung miteinander zu schreiben) nicht möglich ist. Beispiel: Schmerzen sind für die meisten wahrscheinlich schlecht, aber z.b. für einen Masochisten kann es durchaus eine "gute" Bewertung erhalten.

    * mit "negativen" sind jene Charaktereigenschaften gemeint, die heute allgemein als negativ betrachtet werden. Also bitte nicht mit einem Wertmodell nach Nietzsche o.ä. argumentieren. Auch soll hier bitte nicht die Wertigkeit von Charaktereigenschaften diskutiert werden.


    Mit der Voraussetzung habe ich meine Probleme oder ich verstehe sie nicht recht. Die Wertigkeit von Charaktereigenschaften werden doch genau durch Menschengruppen festgelegt und diese werden als "Moral" abgetan, wodurch man dann auch als "moralischer" Mensch zählt. Allerdings forderst du, dass die Wertigkeit nicht diskutiert werden soll? Verstehe ich das richtig, dass du (für diese Diskussion zumindest) den gesellschaftlichen Konsens über die Wertvorstellungen als unumstößlich definierst? Wer definiert was "allgemein als negativ" betrachtet werden soll? Das Volk? Die Gesellschaft?

    Um darauf eine passende Antwort zu finden ist es sehr schwer. Denn "Moral ist eine Hure und wechselt gern das Kleid" (Apokalyptische Reiter - Moral & Wahnsinn). Heute lebt die Gesellschaft selbst in einer egoistischen Schein-Gesellschaft, denn heutzutage zählt wieder "Kleider machen Leute". Die Gesellschaft will "edle" Züge aufweisen, die sie selbst aber nicht einhält und da wären wir allein schon bei den christlichen Tugenden, z.b. Nächstenliebe. Einander zu helfen gilt als "gute Eigenschaft", wird gelobt und ist gern gesehen, aber die wenigsten tun es. Andersrum werden jene, die nicht helfen, nur ihres Weges gehen beschimpft und verlieren an "sozialem Ansehen". Die Menschen nehmen es nicht sehr genau mit ihren eigenen Regeln, denn sie wollen lieber, dass andere sie einhalten.

    Und aus den obigen Erklärungen ergibt sich ebenfalls, dass Menschen nur auf solche Bewertungen zurückgreifen, wenn sie es wahrnehmen. Solltest du gut genug darin seine deine "negativen" oder destruktiven Charaktereigenschaften zu verschleiern, sodass deine Mitmenschen nichts von wahrnehmen, dann wird es dir auch niemand als negativ anrechnen. Wovon der Mensch nichts weiß, das macht ihn nicht heiß. Er gibt sich meist mit seinem naiven Realismus zufrieden, was er sieht, das existiert nunmal, das was er nicht sieht, das existiert entsprechend nicht.

    Die Person, die allerdings einen Einfluss auf diese Bewertung hat, die ist die Person selbst, die eben jene Eigenschaften oder Gedanken vor den anderen (oder eventuell auch vor sich selbst) verschleiern und verstecken will. Man selbst ist bereits der Richter, wenn man sich dafür entscheidet seinen Charakter zu verstecken. Man selbst ist der Illusionist, wenn man sich dafür entscheidet, seine Mitmenschen zu verwirren und sie mit dem zu umgarnen, was sie als angenehm empfinden. Die stärkste Bewertung zu dieser Frage wird von der Person selbst kommen, denn sie beschäftigt sich wie kein anderer mit dieser Frage selbst und die Person selbst ist zu jedem Zeitpunkt damit konfrontiert.

    Vielleicht ein anderes, extremeres Beispiel:
    Ist jemand, der das Verlangen verspürt jemand anderen zu vergewaltigen, zu essen, zu ermorden, etc. pervers, auch wenn er diese Handlungen nie ausführen wird?


    FALLS, und auch nur FALLS andere Menschen von solchen "Gedankenverbrechen" erfahren, dann werden sie die entsprechenden Personen als pervers, abnormal, verrückt, gefährlich, etc. benennen oder brandmarken. Die Gesellschaft macht dabei keinen Unterschied, ob die Person es macht oder nicht. Das Potential ist da. Ein weiteres Gesprächsthema ist entstanden und damit auch ein weiterer Sündenbock, denn Menschen lieben Feindbilder und gehen nur zu gern auf solche ein. Sollten jene "Gedankenverbrechen" publik werden, so wird man vom Großteil der Masse isoliert, da diese Angst haben mit der Person in Kontakt zu treten. Das dunkle Geheimnis ist gelüftet und die Leute werden reden. Für die Leute macht es dann auch keinen Unterschied, falls diese Handlung doch passieren sollte, denn dann werden sie gaffend beim Scharfrichter stehen und eindringlich reden: "Wir haben es doch gewusst, wir haben es doch gesagt!Sowas ist eine Gefahr für die Allgemeinheit! Sowas gehört direkt weggesperrt!"

    Andersrum, falls eben jenes nicht wahrgenommen wird, wenn es versteckt bleibt, so wird keiner darauf reagieren, geschweige denn bewerten. Denn die Menschen und damit die Gesellschaft hat keinen Zugriff auf diese Informationen, also hat sie auch keine Möglichkeit darüber zu urteilen.

    Spoiler anzeigen
    Das Thema erinnert mich sehr stark an diverse Subkulturen, die bereits von der Gesellschaft gebrandmarkt sind, allerdings immernoch existieren und unter uns bewegen. Die Rede ist von Personen, die sich z.b. als Werwölfe, Vampire, Dämonen, diverse Fetischisten (z.b. Voraphilie um sich auf das "andere/etwas verschlingen/essen" zu beziehen) etc sehen um nur ein paar Arten zu nennen. Wobei man hierzu noch sagen muss, dass es sich hierbei um SubKULTUREN handelt. Es gibt auch dort Strukturen, Werte, Vorstellungen und ein soziales Miteinander, nur es unterscheidet sich zum Teil sehr stark von jenem der allgemeinen Gesellschaft. Der Unterschied zu diesem Thema ist, und damit auch der Grund warum ich das als Spoiler geschrieben habe, dass es sich bei solchen Subkulturen, meistens, nicht um rein destruktives Verhalten oder um destruktive Vorstellungen geht. Wenn du dich auf rein destruktives Verhalten beziehst, also ausschließlich Raub-/Mord, Vergewaltigung, angewandter Kannibalismus, Sabotage, Folter, Menschenhandels und weiteres beziehst, dann ist dieser Spoiler vernachlässigbar.
  • Ari schrieb:

    Mit der Voraussetzung habe ich meine Probleme oder ich verstehe sie nicht recht. Die Wertigkeit von Charaktereigenschaften werden doch genau durch Menschengruppen festgelegt und diese werden als "Moral" abgetan, wodurch man dann auch als "moralischer" Mensch zählt. Allerdings forderst du, dass die Wertigkeit nicht diskutiert werden soll? Verstehe ich das richtig, dass du (für diese Diskussion zumindest) den gesellschaftlichen Konsens über die Wertvorstellungen als unumstößlich definierst? Wer definiert was "allgemein als negativ" betrachtet werden soll? Das Volk? Die Gesellschaft?

    Ich möchte die besagten Wertigkeiten hier nicht diskutieren, weil sie in diesem Fall (für mich) nicht von Interesse sind.
    Mir geht es lediglich darum, ob ein innerlich "schlechter" Mensch auch dann ein "schlechter" Mensch ist, wenn er nicht dementsprechend handelt. Was dabei als gut oder schlecht erachtet wird kann jeder für sich selbst bestimmen.

    Ich habe die allgemein gültigen Wertvorstellungen nur deshalb als Maßstab herangezogen um das ganze etwas weniger abstrakt zu gestalten.
    Die in unserer Gesellschaft vorherrschenden Wertvorstellungen sollte jeder im Zuge der Sozialisation internalisiert haben, auch wenn er sich im Laufe seiner weiteren Entwicklung von diesen diesen distanziert hat.

    Ari schrieb:

    Und aus den obigen Erklärungen ergibt sich ebenfalls, dass Menschen nur auf solche Bewertungen zurückgreifen, wenn sie es wahrnehmen. Solltest du gut genug darin seine deine "negativen" oder destruktiven Charaktereigenschaften zu verschleiern, sodass deine Mitmenschen nichts von wahrnehmen, dann wird es dir auch niemand als negativ anrechnen. Wovon der Mensch nichts weiß, das macht ihn nicht heiß. Er gibt sich meist mit seinem naiven Realismus zufrieden, was er sieht, das existiert nunmal, das was er nicht sieht, das existiert entsprechend nicht.
    Das ist mir durchaus klar. Deshalb habe ich ja auch, nachdem ich bemerkt habe, dass man meine Frage so behandeln könnte wie du es in diesem Absatz tust, hinzugefügt, dass man die Thematik aus der Sicht einer allwissenden Gottfigur behandeln soll.

    Ari schrieb:

    Vorab glaube ich das dieses Thema wohl nicht unbedingt für das LPF geeignet ist
    Ja, dass glaube ich mittlerweile auch ^^
  • Naja, dann die Frage: "Was ist für dich eine allwissende Gottfigur"? Und ebenfalls damit würde ich gerne wissen was diese Gottfigur denn für Bewertungskriterien hat, ob etwas nur "gut" oder "schlecht" ist bzw. ob das, was in der Person lauert auch die Person ausmacht?

    Mir geht es lediglich darum, ob ein innerlich "schlechter" Mensch auch dann ein "schlechter" Mensch ist, wenn er nicht dementsprechend handelt. Was dabei als gut oder schlecht erachtet wird kann jeder für sich selbst bestimmen.


    Nehmen wir mal ein Beispiel:
    Würde ich dich, als "allwissende Gottfigur" antreffen und ich würde z.b. zu solchen Menschen gehören, die bereit wären Menschenblut zu trinken (weil sie z.b. denken, sie brauchen es um sich stärker zu fühlen oder whatever). Würde ich in deinen Augen als "schlechter" Mensch darstehen, wenn ich dich nur darauf ansprechen würde? Würde ich als "schlechter" Mensch gelten, wenn ich dich als solche Person darum bitten würde, mir etwas von dem Blut zu geben? Würdest du mich als "schlechter" Mensch definieren, wenn ich es mir gewaltsam holen würde?

    Bei dem Beispiel kannst du, wie gesagt, auch gern als "allwissende Gottfigur" fungieren und dich erklären, falls nötig. Wie dir aufgefallen ist, habe ich bewusst drei Fälle gewählt:
    Fall 1: Spricht das Thema an, aber würde es nicht tun (Ohne Handlung)
    Fall 2: Bittet darum jenes tun zu dürfen (Handlung nach Erlaubnis)
    Fall 3: Holt sich jenes ohne Rücksicht (Handlung ohne Erlaubnis)

    Oder geht es dir bei dem Thema nur darum, wie andere darüber denken, oder habe ich deine Frage noch weiter ad absurdum geführt? Falls ja, dann will ich mich dafür entschuldigen und werde es auch herauseditieren, da es unpassend war.
  • Ari schrieb:

    Naja, dann die Frage: "Was ist für dich eine allwissende Gottfigur"? Und ebenfalls damit würde ich gerne wissen was diese Gottfigur denn für Bewertungskriterien hat, ob etwas nur "gut" oder "schlecht" ist bzw. ob das, was in der Person lauert auch die Person ausmacht?

    EIne allwissende Gottfigur ist überraschender Weise allwissend und steht über den Dingen.
    Damit will ich sagen, dass du den Menschen aus einer gottgleichen Position heraus bewerten sollst, die dir ermöglicht, sowohl sein Handeln, als auch sein Denken und Fühlen zu kennen.
    Diese Metapher soll eigentlich nur eine hypothetische Grundlage für diese hypothetische Bewertung liefern.
    Welche Bewertungskriterien du hast, weis ich nicht. Deshalb will ich ja deine Bewertung hören.

    Ari schrieb:

    Bei dem Beispiel kannst du, wie gesagt, auch gern als "allwissende Gottfigur" fungieren und dich erklären, falls nötig. Wie dir aufgefallen ist, habe ich bewusst drei Fälle gewählt:
    Fall 1: Spricht das Thema an, aber würde es nicht tun (Ohne Handlung)
    Fall 2: Bittet darum jenes tun zu dürfen (Handlung nach Erlaubnis)
    Fall 3: Holt sich jenes ohne Rücksicht (Handlung ohne Erlaubnis)

    Um auf dein Beispiel einzugehen:
    1. Kein "schlechter" Mensch.
    2. Kein "schlechter" Mensch, sofern nicht die Bereitschaft besteht gewaltsam zu Handeln, falls die Bitte abgeschlagen wird, was ich aus meiner allwissenden Position heraus natürlich wissen würde.
    3. "Schlechter" Mensch

    Das ist meine persönliche Wertung. Aber da dich die Gott-Metapher etwas zu verwirren scheint, versuche ich noch einmal, das ganze zu erklären:
    Ich möchte wissen, ob du einen Menschen als "schlecht" oder "böse" bewerten würdest, von dem du weist,
    dass er gerne etwas tun würde, das du als "schlecht" oder "böse" einschätzt, auch wenn du aber ebenso weist, dass er dies nie wirklich tun würde.

    Ari schrieb:


    Oder geht es dir bei dem Thema nur darum, wie andere darüber denken, oder habe ich deine Frage noch weiter ad absurdum geführt? Falls ja, dann will ich mich dafür entschuldigen und werde es auch herauseditieren, da es unpassend war.
    Teils ja, teils nein. Immerhin komme ich dadurch einer verständlicheren Version meiner Fragestellung näher, auch wenn sie dadurch inhaltlich ein wenig von der eigentlichen Version abrückt. Im Grunde will ich nur hören, was andere darüber denken. Scheinbar habe ich den Startpost derartig undeutlich formuliert, dass dadurch ohnehin keine ordentliche Diskussion möglich ist.
  • Gut, dann habe ich deine Frage doch richtig verstanden =) Auch wenn mich die Gott-Metapher in der Tat verwirrt.

    Ich für meinen Teil würde so entscheiden wie du. Solange die entsprechende Person nicht die Privatsphäre gewaltsam überschreitet, würde ich sie durch ihre Tat nicht als "schlecht" oder "böse" ansehen. Da man nach deiner Erklärung nun weiß, dass die Person es nie tun würde, dann würde ich sie auch nicht als "schlecht"/"böse" betrachten. Nur jene die wirklich damit destruktiv gegenüber anderem (nicht unbedingt Menschen) handeln, würde ich als "schlecht"/"böse" definieren, da diese nur ihr Ziel vor Augen haben und dies Erreichen wollen, ohne Rücksicht auf Verluste oder auf die Umgebung.

    Selbst wenn es sich um "Mord" mit Erlaubnis handeln würde, würde ich die Person nicht als "schlecht" oder "böse" interpretieren, da die Person immerhin um Erlaubnis fragt (wie du in meinem Beispiel auch richtig aufgefasst hast ist die Erlaubnis die Bedingung um die Handlung durchzuführen). Je nach Person kann es ja auch gut sein, dass die Person nicht mehr am einem Leben hängt und/oder andere persönliche Gründe für ihre Entscheidung hat. Ebenso hat auch die Person, die bewertet werden soll ihre "Gründe", so banal sie auch sein mögen.

    Ich persönlich habe mit "gut und böse" oder "gut und schlecht" immer so meine Probleme. Für mich sind alle Menschen zugleich gut und böse und tragen alles in sich und sind somit zugleich alles als auch nichts. Dennoch ist mir persönlich der Wille der Person das heiligste überhaupt. Wäre ich religiös, so wäre "Achte stets den Willen der Person" das oberste Gebot (den eigenen Willen inklusive). Darum würde ich überhaupt nur dann dazu tendieren jemanden als "schlecht"/"böse" zu bezeichnen, wenn er dieses "Gebot" verletzen würde. Das wäre für mich auch der Grund ihn nicht so zu bewerten, wenn er eben den Willen der anderen Personen achtet. Was dabei Handlungen bezüglich der Natur oder Nicht-menschlichen Wesen betrifft, so sollte ihre Existenz im Allgemeinem erhalten und gewahrt bleiben.

    Das war vielleicht etwas verwirrend, hier nochmal die Kurzfassung:
    Jemand, der in meinen Augen etwas "schlechtes/böses" gerne tun, aber es niemals tun würde, bewerte ich nicht als "schlecht" oder "böse".
  • Huh, das ist mal ein interessantes Gedankenspiel. Ich fürchte ich muss das splitten

    Part 1 (ohne allwissender Beobachter):
    Ich hätte hier im Wesentlichen zwei Gedankenansätze:

    1. Was macht einen "guten Menschen" zu einem "guten Menschen"? Sein Denken oder sein Handeln?

    Um es mal zu abstrahieren ein Zitat: "Mutig ist nicht der, der keine Angst kennt sondern der, der seine Angst überwindet".
    In sofern finde ich es schon als positiv anrechenbar wenn jemand um seine negativen Eigenschaften weiß, aber versucht sie nicht auszuleben. Ich denke auch, dass dies für jeden Menschen gilt. Jeder hat negative Eigenschaften, die er aber versucht zu Verdrängen oder zu ändern - z.B. aus gesellschaftlichem Druck heraus.

    2. Was ist für wen interessant?
    Hier ists etwas an ontologischen/erkenntnistheoretischen Realismus angelehnt. Es gibt ja die Realismusdebatte. D.h. "Woher wissen wir, dass der Stein, den wir wahrnehmen, tatsächlich existiert?" Da wir unsere Umwelt nur durch unsere Sinne wahrnehmen, diese Filtern und alles in elektronische Impulse umsetzen, ist diese Frage nicht einfach zu beantworten. Im Endeffekt kommt man irgendwann dahin, dass diese Frage nicht entscheidbar ist. Wir sind auf unsere Sinne angewiesen, eine Prüfung über diese hinaus ist uns nicht möglich (übrigens liegt hier auch der Ursprung zu der "Baum im Wald"-Frage von oben).

    D.h. letztendlich, es ist nur das relevant, was wir wahrnehmen (ich wusste, ich brauch mein Studium in der Wahrnehmungspsychologie irgendwann noch ;) )

    Angewand auf Deine Frage wäre meine Interpretation folgendes:
    Wer hat woran Interesse und wer nimmt was wahr. Soll heißen: Ist ein Mensch böse wenn er nix böses tut?
    Aus Sicht des Menschen selber dürfte es von seinen Wertvorstellungen abhängen.
    Aus Sicht der Gesellschaft wäre er es vermutlich nicht. Die Gesellschaft als Ganzes interessieren nur "Handlungen", also Verstoße gegen Regeln.

    Da wir als äußerlicher Betrachter nicht entscheiden können, ob jemand böses denkt, bleibt uns nur die Handlung. Allers andere ist für den Außernstehenden auch nicht interessant...

    Part 2 (mit allwissendem Beobachter):
    Wenn Du jetzt den allwissenden Beobachter voraussetzt, stellt sich zwangsweise die Frage nach den Regeln dieses Beobachters. Wenn jemand in alle Menschen hineinsehen und alle Abgründe sehen könnte, wären die zu Grunde gesetzten Regeln wahrscheinlich sehr unterschiedlich von den unseren. Wenn man nichts verstecken kann, kann man schlecht Idealbilder anlegen.
    Da mir als beschränktes, menschliches Wesen hier die Erfahrung fehlt, kann ich das eigentlich nicht bewerten...

    DIe kurze Antwort wäre: Es würde meiner Meinung nach immer vom Kontext abhängen. Wenn z.B. das reine Begehren als Sünde angesehen wird und man die Gedanken und Gefühle lesen kann, ist der Mensch natürlich schlecht.
    Wenn erst bestimmte Aktionen als schlecht angesehen werden (so wie meist bei uns), dann sind die Gedanken irrelevant...

    Fröhliche Grüße,
    XYpsilon
  • Gedanken sind grundsätzlich frei. Wenn ich "schlecht" denke, aber nicht "schlecht" handle, bin ich ein "guter" Mensch und womöglich sogar besser als von Natur aus "gute" Menschen. Weil ich mich unter Kontrolle halte, während andere keine Kontrolle benötigen.

    Schlechte Gedanken gehören im Übrigen zum Leben dazu - jemand, der angeblich nie "schlechte" Gedanken an den Tag legt, ist mir gelinde gesagt eher unheimlich. ;)